Wirtschaft : Griechen sparen auch beim Schmiergeld

Eine Studie zeigt, dass bei einer konstanten Zahl von Bestechungen immer weniger Geld fließt.

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Athen - Diese Szene gehört in griechischen Krankenhäusern weiter zum Alltag: „Wann soll Ihre Oma denn das neue Hüftgelenk bekommen?“, fragt der Arzt. „Möglichst bald“, antwortet die Enkelin der 82-Jährigen. Die Warteliste sei allerdings „sehr lang“, meint der Arzt mit ernstem Gesicht. Die Enkelin versteht. Am Tag darauf überreicht sie dem Doktor einen gut mit Geldscheinen gefüllten Umschlag, ein sogenanntes „Fakelaki“, Bestechungsgeld. „Grigorosimo“ nennt man in Griechenland eine solche Zahlung auch, was so viel wie „Beschleuniger“ bedeutet. Die junge Frau, die diese Geschichte erzählt, will ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Denn vielleicht brauche Oma ja noch ein zweites Hüftgelenk.

Geschmiert wird in Griechenland wie eh und je. Elf von hundert Griechen haben im vergangenen Jahr ein „Fakelaki“ ausgehändigt. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung, die das Meinungsforschungsinstitut Public Issue im Auftrag der Organisation Transparency International durchgeführt hat. Mal sind es 100 Euro, die der Arzt für einen kleineren Eingriff in die Kitteltasche steckt, mal auch 30 000 Euro, wenn es um schwierige Operationen geht. Der Prozentsatz der Befragten, die einräumten, im vergangenen Jahr geschmiert zu haben, ging gegenüber 2010 nur leicht von 11,2 auf 10,8 Prozent zurück. Deutlicher ist allerdings der Rückgang bei der Summe der gezahlten Schmiergelder: Nach Berechnungen der Meinungsforscher fiel der durchschnittliche Schmiergeldbetrag von 1557 Euro auf 1403 Euro. Der Rückgang sei ein Ergebnis der Wirtschaftskrise, glaubt Kostas Bakouris, Präsident der griechischen Sektion von Transparency International: Angesichts sinkender Einkommen und gekürzter Renten müssten die Griechen halt auch bei der Bestechung sparen.

Trotzdem bleiben die Summen hoch: Um einen Steuerprüfer milde zu stimmen, zahlen die Griechen zwischen 100 und 20 000 Euro, so die Studie. Für eine Baugenehmigung werden zwischen 200 und 8000 Euro fällig, die Legalisierung eines Schwarzbaus kostet bis zu 5000 Euro. Für eine neue Tüv-Plakette werden zwischen 20 und 100 Euro fällig, je nachdem, wie viele Mängel der Prüfer übersehen muss. Offenbar nicht auszurotten ist auch die Korruption bei den Führerscheinprüfungen: Mindestens 40 Euro werden für den Mopedschein fällig, bis zu 500 Euro kassieren Prüfer von künftigen Autofahrern. „Wer nicht schmiert, fällt einfach immer wieder durch die praktische Prüfung“, beschreibt ein Führerschein-Neuling die Zustände.

Manche Zahlen geben indes auch Anlass zu Hoffnung in dem nicht zuletzt von Korruptionsaffären geschüttelten Land: Immerhin jeder vierte Befragte gab in der Untersuchung an, er habe im vergangenen Jahr geforderte Schmiergelder verweigert. „Das ist sehr ermutigend“, meint Transparency-Präsident Bakouris. „Die Menschen zeigen weniger Toleranz gegenüber der Korruption.“ Gerd Höhler

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