Wirtschaft : „Griechenland bleibt Austrittskandidat“

Fondsmanager Engels über die Folgen der Wahl.

Foto: promo
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Herr Engels, nach der Wahl wird sich politisch in Griechenland wahrscheinlich wenig ändern, die wirtschaftlichen Probleme bleiben ungelöst. Wird nach einer ersten Phase der Erleichterung die Unsicherheit an die Märkte zurückkehren?

Der knappe Sieg der konservativen Nea Demokratia (ND) sorgt bestenfalls temporär für Erleichterung unter den Politikern der Eurozone und den Finanzmarktteilnehmern, weil damit ein von der anti-europäischen radikalen Linken (Syriza) angeführtes Regierungsbündnis kurzfristig abgewendet ist. Die Unsicherheit bezüglich der Solvenz Griechenlands bleibt aber bestehen. Denn viele der Reformen in Griechenland sind bislang entweder gar nicht oder nur unzureichend umgesetzt worden. Insgesamt ist es deshalb nach wie vor unklar, wie es mit Griechenland weitergeht.

Ist die Gefahr, dass die Griechen aus dem Euro fallen, gebannt oder wird der Euro weiter an Wert verlieren?

Griechenland wird auch nach der Wahl ein Kandidat für einen Austritt aus dem Euro bleiben, schon allein wegen der mangelhaften Reformfortschritte. Es wird zunehmend unwahrscheinlich, dass die Gläubigerländer aus der Eurozone und der IWF neuerlich auftretende Finanzierungslücken für Griechenland schließen werden.

Am Montag rückten schon wieder die massiven Probleme spanischer Banken ins Blickfeld. Droht eine Kettenreaktion?

Die Situation in Spanien bleibt so lange unsicher, wie das endgültige Ausmaß der Bankenrekapitalisierung nicht transparent ist. Derzeit kursieren am Markt Gerüchte über einen Finanzierungsbedarf von bis zu 150 Milliarden Euro. Diese Verunsicherung führt bereits jetzt zu Ansteckungseffekten in Italien.

Sollte sich der EU-Gipfel Ende Juni auf eine Bankenunion oder einen Schuldentilgungspakt verständigen?

Die Marktsituation verdeutlicht, dass alle bisherigen Maßnahmen als nicht ausreichend empfunden werden, um die Krise beizulegen. Die Politik muss folglich neue Lösungsansätze finden. Zum einen müssen Reformmaßnahmen glaubwürdiger als bislang umgesetzt werden und andererseits können Konzepte zur Vergemeinschaftung von Risiken nur dann erfolgreich sein, wenn sie durch geeignete Anreize zur Umsetzung von Reformen und Sparmaßnahmen begleitet werden.

Das Interview führte Henrik Mortsiefer

Frank Engels

ist Leiter des

Portfoliomanagements für Renten

bei Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken.

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