Wirtschaft : Griechenland im Börsenfieber

GERD HÖHLER

ATHEN .Ungläubig schüttelt der alte Manolis das kahle Haupt.Auf der elektronischen Anzeige im Athener Börsensaal flimmern die Lichtpunkte in immer größere Höhen.3392,8 Punkte erreichte der Athener Aktienindex am vergangenen Freitag, einen neuen Rekord, der 17.seit Jahresbeginn."Wo soll das enden?", fragt Manolis.Im April vergangenen Jahres kaufte der Rentner Aktien der überwiegend staatseigenen National Bank of Greece, des größten Kreditinstituts des Landes.Seither ist der Kurs der Papiere um rund 150 Prozent gestiegen.

"Vielleicht sollte ich jetzt mal Kasse machen", überlegt Manolis.Börsenmakler Zafiris ist anderer Meinung: "Jetzt geht es erst richtig los." Selbst wer jetzt noch einsteige, könne gute Gewinne machen.Dabei hat die Athener Börse bereits kräftig zugelegt: ein Indexplus von 85 Prozent im vergangenen Jahr - Weltrekord.Seit Anfang 1999 stiegen die Kurse erneut um 24 Prozent.Vor allem ein Wort beflügelt die Phantasie der Anleger: "Konvergenz".Zum Januar 2001 will der sozialistische Ministerpräsident Kostas Simitis sein Land in die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) führen.Galt dieses Ziel noch vor nicht allzu langer Zeit als utopisch, gehen die meisten internationalen Investmentbanken inzwischen davon aus, daß Griechenland den Anschluß schaffen wird.Die auf den niedrigsten Stand seit fast 30 Jahren gefallene Inflation, sinkende Zinsen, strikte Haushaltspolitik, robustes Wirtschaftswachstum und die Privatisierungspläne der Regierung sorgen für ein Umfeld, wie es sich Börsianer besser kaum wünschen könnten.Die Marktkapitalisierung hat sich seit 1990 nahezu verzehnfacht, seit 1997 haben sich die Tagesumsätze mehr als verdoppelt.Der steile Kursanstieg ist umso erstaunlicher, als die Börse im vergangenen Jahr Neuemissionen von umgerechnet über zwei Mrd.Euro zu verkraften hatte.An deutschen Börsen, vor allem im Berliner Freiverkehr, werden 30 griechische Titel gehandelt.Seit März 1998 gibt es den ersten griechischen Aktienfonds.Engagements in einzelne Aktien sollte nur wagen, wer mit dem griechischen Markt vertraut ist und starke Nerven hat, raten Analysten.

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