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Griechenland : So leicht kommt man an eine griechische Insel

Dutzende griechische Inseln stehen zum Verkauf. Einige Millionäre wie Johnny Depp oder Brad Pitt sollen bereits zugeschlagen haben.

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„Paradies-Insel“. Auf dem knapp fünf Quadratkilometer großen Eiland Atokos im Ionischen Meer gibt es einsame Strände und einen 350 Meter hohen Felsen.
„Paradies-Insel“. Auf dem knapp fünf Quadratkilometer großen Eiland Atokos im Ionischen Meer gibt es einsame Strände und einen 350...Foto: Mauritius Images

Eine eigene Insel? Billig ist das nicht – aber vielleicht gerade jetzt günstig. In Griechenland zum Beispiel. Dutzende griechische Inseln stehen zum Verkauf. Es gab Gerüchte, wonach der US-Starinvestor Warren Buffet zusammen mit einem italienischen Partner für 15 Millionen Euro die Insel Agios Thomas (St. Thomas) im Saronischen Golf vor Athen gekauft haben soll. Das hat Buffett mittlerweile dementiert.

Privatinseln waren immer schon ein bevorzugtes Statussymbol griechischer Tycoons. Mitte der 1950er Jahre kaufte der Reeder Stavros Niarchos die knapp zwei Quadratkilometer große Insel Spetsopoula im Saronischen Golf. 1963 erwarb sein Rivale, der „Tankerkönig“ Aristoteles Onassis, die Insel Skorpios im ionischen Meer – für läppische 110 000 Dollar.

Der Hirte auf Atokos ist aber nicht im Preis inbegriffen

So billig sind griechische Inseln heute nicht mehr. Eines der günstigsten Angebote ist Lihnari östlich von Korinth. Das 38 Hektar große Areal soll drei Millionen Euro kosten. Dafür bekommt man zwar nur eine Halbinsel, aber mit 650 Olivenbäumen und einer Quelle – ein Schnäppchen, denn der Verkäufer hat den Preis gerade halbiert. Ebenfalls für drei Millionen bietet der auf Inseln spezialisierte Makler Private Islands Online das Inselchen Gaia im Ionischen Meer an.

Am oberen Ende der Preisskala liegt die Insel Omorfi („Die Schöne“), ebenfalls im Ionischen Meer und immerhin 4,5 Quadratkilometer groß. Der Besitzer verlangt 50 Millionen Euro. Oder Atokos, eine Insel vor Ithaka im Ionischen Meer, fast fünf Quadratkilometer groß. Einheimische sprechen von dem Stück Land als der „Paradies-Insel“: Ein fast 350 Meter hoher Berg, dramatische Klippen, unberührte Strände. Eine Kapelle und ein verlassenes Wohnhaus sind im Kaufpreis von 45 Millionen Euro inbegriffen. Einen örtlichen Hirten, der auf der Insel noch seine Ziegen weidet, muss der mögliche Käufer hingegen nicht übernehmen – er könnte mitsamt seinen Tieren umgesiedelt werden.

Bald könnte es die Inseln zum Schnäppchenpreis geben

Auch der griechische Staat, dem viele der rund 3000 unbewohnten Eilande in der Ägäis und im Ionischen Meer gehören, braucht dringend Geld. 50 Milliarden Euro, so die jüngste Vorgabe der internationalen Kreditgeber, soll Griechenland in den nächsten Jahren mit Privatisierungen einnehmen, um Schulden abzutragen. Ein Großteil der Erlöse entfällt auf den Verkauf und die Verpachtung staatseigener Liegenschaften. Der Athener Finanzminister steht unter Druck. Experten erwarten deshalb, dass es griechische Inseln bald zum Schnäppchenpreis geben könnte.

Dass Griechenland nun seine Inseln verkaufen solle, „und die Akropolis am besten gleich mit“, wie die „Bild“-Zeitung forderte, finden populistische deutsche Politiker schon lange. Jetzt will sogar die Schweiz helfen, obwohl kein Euro-Land: Der Tessiner Nationalrat Pierre Rusconi regt an, die Schweiz solle griechische Inseln kaufen. Der Kaufpreis soll mit den Schulden, die Athen offenbar auch bei den Eidgenossen hat, verrechnet werden. Damit bekäme die Schweiz, die immerhin 46 Hochseeschiffe betreibt, überdies endlich Zugang zum Meer, argumentiert der Politiker.

Besucher haben das Recht, auf einer Privatinsel an Land zu gehen

Nichts behandeln Promi-Makler so diskret wie millionenschwere Insel-Transaktionen. Manches sickert trotzdem durch. So soll der Schauspieler Johnny Depp kürzlich ein griechisches Eiland erstanden haben. Das Promi-Paar Brad Pitt und Angelina Jolie sei ebenfalls in Kaufverhandlungen, heißt es in der Branche. Ganz privat sind allerdings auch Privatinseln in Griechenland nicht. Die Gesetze des Landes bestimmen, dass alle Strände für die Öffentlichkeit zugänglich sein müssen. Besucher haben deshalb das Recht, auf einer Privatinsel an Land zu gehen und sich auf den Strand zu legen.

Dass jetzt ausgerechnet Warren Buffett in Griechenland zuschlägt, lässt viele professionelle Investoren aufhorchen. Denn dem „Orakel von Omaha“, wie der 85-Jährige nach seinem Geburtsort und dem Sitz seines Investment-Imperiums Berkshire Hathaway genannt wird, sagen seine Fans ein untrügliches Gespür für lohnende Geschäfte nach. Mit einem Privatvermögen von rund 73 Milliarden Dollar gilt Buffett, der schon als Elfjähriger in den Aktienhandel einstieg, als drittreichster Mensch der Welt.

Obwohl: Auf den ersten Blick wirkt Agios Thomas wenig attraktiv. 1,5 Quadratkilometer Fels, bewachsen nur von Buschwerk, kein Baum, kein Wasser, kein Sandstrand, nur schroffe Klippen – nicht gerade eine Trauminsel. Kein Wunder, dass hier bisher niemand lebt – eines von über 3000 unbewohnten Eilanden, die zu Griechenland gehören. Auch, wenn Buffett die Insel gar nicht gekauft haben will: Zumindest hält er Griechenland derzeit für ein günstiges Investitionspflaster. Dort gebe es „zahlreiche günstige Gelegenheiten, und viele Leute sind bereit zu investieren“, sagte Buffett der griechischen Nachrichtenagentur AMPE.

Andere prominente Investoren sind schon da. Vor drei Jahren kaufte der damalige Emir von Katar sechs griechische Inseln. Auch die Onassis-Insel Skorpios hat inzwischen einen neuen Besitzer gefunden. Bereits Microsoft-Gründer Bill Gates und Popstar Madonna hatten sich für die Insel interessiert, auf der Onassis 1968 Jacqueline Kennedy geheiratet hatte. Auf Skorpios ist der 1975 gestorbene Onassis auch begraben, ebenso wie seine Tochter Christina, zu deren Erbe die Insel gehörte. Nach ihrem Tod 1988 ging Skorpios in den Besitz von Athina Onassis über.

Die Milliardenerbin zeigte aber nie großes Interesse an dem Eiland. Einen Verkauf von Skorpios hatte Aristoteles Onassis zwar testamentarisch ausdrücklich untersagt. Daran scheiterten frühere Verkaufspläne. Aber seine Enkelin umging diese Verfügung und schloss vor zwei Jahren mit dem russischen Oligarchen Dmitrij Rybolovlev einen langjährigen Pachtvertrag. Der Russe erwarb die Insel als Geschenk für seine 24-jährige Tochter Ekaterina. Über den Preis wird Stillschweigen bewahrt – angeblich mehr als 100 Millionen Dollar.

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