Griechenland und Euro-Zone : Brüssel bemüht sich um Schadensbegrenzung

Die EU-Kommission erwartet, dass Griechenland zum kommenden Jahr die Konjunkturwende gelingt. An der Schulden- und Defizitbelastung des Landes wird das jedoch nichts ändern - und damit auch nicht an der Belastung für die Euro-Zone.

Die Schieflage der griechischen Volkswirtschaft belastet den Euro.
Die Schieflage der griechischen Volkswirtschaft belastet den Euro.Foto: dpa

Der Aufschwung in Europa wird nach der jüngsten Prognose der EU-Kommission trotz einiger Risikofaktoren im kommenden Jahr anhalten. Im Euro-Raum werde die Wirtschaftsleistung nach einem Plus von 1,6 Prozent in diesem Jahr 2012 um 1,8 Prozent zunehmen. "Die wichtigste Botschaft unserer Prognose: Der Wirtschaftsaufschwung in Europa steht auf soliden Füßen und wird sich trotz der jüngsten externen Turbulenzen und Spannungen auf dem Markt für Staatsanleihen weiter fortsetzen", erklärte EU-Währungskommissar Olli Rehn am Freitag in Brüssel.

Trotz der anhaltenden Wirtschafts- und Schuldenkrise in Griechenland ist die Brüsseler Aufsichtsbehörde für das kommende Jahr optimistisch und erwartet einen beachtlichen Umschwung. Die Experten sagen ein Wachstum von 1,1 Prozent nach einem Minus von 3,5 Prozent in diesem Jahr voraus.

Griechenland: Hohes Defizit bleibt, Gesamtverschuldung wächst

Von seinem hohen Defizit kommt das von der Staatspleite bedrohte Griechenland nach Einschätzung der Brüsseler Währungshüter nicht herunter. Die Neuverschuldung werde von 9,5 Prozent der Wirtschaftsleistung 2011 im kommenden Jahr nur geringfügig auf 9,3 Prozent sinken. Der gesamtstaatliche Schuldenberg werde von knapp 158 Prozent der Wirtschaftsleistung 2011 im kommenden Jahr auf gut 166 Prozent steigen.

In der EU wird wegen der Schuldenentwicklung in Athen ein neues Hilfspaket debattiert, das nach bisher nicht offiziell bestätigten Spekulationen eine Höhe von 30 bis 60 Milliarden Euro haben soll. Schnelle Entscheidungen sind aber nicht geplant. Es wird befürchtet, dass Griechenland nicht - wie zunächst geplant - im kommenden Jahr wieder an die Kapitalmärkte zurückkehren kann. Das Land bekommt bereits Hilfen von Europäern und dem Internationalen Währungsfonds von 110 Milliarden Euro.

Papandreou: "Wir gehen nicht genug voran"

Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou sieht sein Land als Opfer einer dramatischen Schwarzmalerei an den Märkten und in den Medien. "Selbst der IWF sagt heute, dass unsere Schulden tragbar sind", sagte der Sozialdemokrat am Freitag bei einem Treffen von Mitte-Links-Politikern in Oslo. Eine Umschuldung sei nicht erforderlich. "Trotzdem prügeln die Märkte unaufhörlich auf uns ein, die Medien sagen einen Weltuntergang voraus, und das fördert eine Kultur der Angst."

Papandreou forderte Europa zur Geschlossenheit auf, um die gemeinsame Währung zu verteidigen. "Es gibt kein Zurück vom Euro. Aber wir gehen auch nicht genug voran", kritisierte er. "Wir suchen nach Prügelknaben, wir spielen Schwarzer Peter: Wir sagen, der Norden ist schuld, die Peripherie ist schuld, die Migranten sind schuld." Diese Haltung lähme Europa, mahnte der griechische Ministerpräsident.

Inflation im Euro-Raum deutlich über Zielwert

Insgesamt erwartet die EU-Kommission, dass sich die Kluft zwischen Deutschland und anderen exportorientierten Ländern und den hoch verschuldeten Staaten an der Peripherie der Währungsunion sich langsam schließt. In Deutschland wird sich die Konjunktur demnach deutlich von 2,6 Prozent Wachstum im laufenden auf 1,9 Prozent im kommenden Jahr abkühlen.

Deutlich nach oben revidierte die Kommission die Inflationsprognose für die Euro-Zone. Die Behörde rechnet nun mit einem Preisanstieg von 2,6 Prozent nach 2,2 Prozent in der vorangegangenen Prognose. Der Preisauftrieb soll 2012 aber wieder deutlich nachlassen und mit 1,8 Prozent unter die Toleranzschwelle der Europäischen Zentralbank sinken, die einen Wert von nahe bei, aber unter zwei Prozent vorsieht.

Experten erwarten Berg- und Talfahrt bei Euro

Der Euro hat sich am Freitag wieder über 1,43 Dollar hochgearbeitet. Im späten Vortagesgeschäft war er um 1,4238 Dollar gehandelt worden. Händlern zufolge waren die Zuschläge hauptsächlich durch technische Faktoren ausgelöst. Angesichts nach wie vor ungelöster europäischer Schuldenprobleme erwarteten sie eine Fortsetzung der Berg- und Talfahrt.

"Während die finnische Gefahr, dass das Hilfsprogramm für Portugal ins Stocken geraten könnte, gebannt scheint, ist die Lage bezüglich Griechenlands noch immer unübersichtlich", hieß es in einem Kommentar der Commerzbank. "Alles in allem bleibt die Lage kompliziert und damit wohl vorerst eine Belastung für den Euro."

Zehnjährige griechische Staatsanleihen rentierten nahezu unverändert bei 15,737 Prozent. Die vergleichbaren Bundesanleihen rentierten mit 3,147 Prozent. (rtr)

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