Griechenland : Was tun, wenn der Grexit doch kommt?

Bis zum Ende des Monats könnte sich entscheiden, ob Griechenland in der Eurozone bleibt. Diese Folgen hätte eine Pleite Griechenlands unter anderen und so könnten Sie sich als Anleger davor schützen.

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Noch ist nicht entschieden, ob die Griechen die Eurozone verlassen.
Noch ist nicht entschieden, ob die Griechen die Eurozone verlassen.Foto: dpa

Noch im Juni könnte entschieden sein, ob Griechenland pleitegeht und ob das Land sogar die Euro-Zone verlässt. Bis Monatsende muss Athen 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen. Doch weder ist das Geld da, noch will sich Athen mit den Geldgebern einigen. Zwar beteuern Ökonomen, ein Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone sei keine Katastrophe. Doch die Unsicherheit unter den Investoren ist groß. Ein Grexit sei absolutes Neuland, vergleichbar mit einem „Kopfsprung in ein unbekanntes Gewässer“, heißt es beim Bankhaus Metzler. Er könne „böse ausgehen“. Auch die griechische Zentralbank sah sich am Mittwoch zu dramatischen Warnungen genötigt: Sollte Athen die Euro-Zone verlassen müssen, werde es zu einem Schneeballeffekt und zu einer „unkontrollierbaren Krise“ kommen. Ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro würde „an den Finanzmärkten ein größeres Beben auslösen, als viele vermuten“, befürchtet auch Martin Hübner, der ehemalige Chefvolkswirt der Hypovereinsbank.

Einige Anlage-Profis sehen Investmentchancen

Gleichzeitig sprechen Anlage-Profis aber auch bereits von Investmentchancen, die entstehen könnten, wenn die Lage geklärt und alle Unsicherheiten bereinigt seien. Sie vermuten zwar, dass eine Griechen-Pleite oder ein Grexit zu einem psychologisch motivierten Ausverkauf an den Börsen führen dürfte – doch sehen sie das als optimalen Zeitpunkt zum Einstieg. So argumentiert etwa Luca Paolini, Aktienstratege beim Schweizer Fondsanbieter Pictet.

Andere rechnen mit weiteren Unsicherheiten für Investoren

Der Chefvolkswirt der DZ Bank, Markus Bielmeier, glaubt dagegen, dass Anleger noch deutlich länger mit der aktuellen Unsicherheit und Nervosität leben müssten. Zwar würden die Kredite an den IWF Ende des Monats fällig, doch gewähre der IWF seinen Kreditkunden meist noch eine letzte Schonfrist von drei Wochen. Damit würde das Geld erst in der dritten Juliwoche fällig. Gleichzeitig stehen dann auch griechische Staatsanleihen, die die Europäische Zentralbank (EZB) gekauft hat, zur Tilgung an. Zahle Athen auch dann nicht, so Bielmeier, werde die EZB wohl die Bargeldversorgung („ELA-Programme“) der griechischen Banken einstellen, was den Einigungsdruck auf die Regierung deutlich erhöhen würde. Kommt es dennoch zu keiner Lösung, müsste Athen wohl eine Parallelwährung in Umlauf bringen. Und das wiederum könnte zu Hamsterkäufen, Plünderungen und humanitären Problemen führen.

Der Grexit ist nur per Vertrag möglich

Doch: Selbst dann wäre ein Grexit nicht zwangsläufig. Denn er ist nur auf ausdrücklichen Wunsch des Euro-Mitgliedslandes und via Vertrag möglich. Die Frage, ob Athen aus der Euro-Zone ausscheidet oder doch nicht, könnte die Anleger also ein paar weitere Monate beschäftigen.

Die Renditen von Anleihen könnten steigen

Aus Angst vor Dominoeffekten oder einer Ansteckung anderer Länder könnten Anleger vor allem Staatsanleihen schwächerer Länder der Euro-Zone verkaufen, was die Renditen steigen und die Kurse umgekehrt fallen ließe. Allerdings sind negative Wirkungen wohl beschränkt, denn bei größeren Panik-Verkäufen würde die EZB vermutlich sofort eingreifen. Bereits jetzt gibt sie jeden Monat 60 Milliarden Euro aus – notfalls kann das noch erhöht werden. Umgekehrt könnte der deutsche Steuerzahler profitieren: Denn in Krisenzeiten steuern Anleger am liebsten sichere Häfen an. Dazu zählen vor allem zehnjährige und andere Bundesanleihen, deren Renditen – bei steigenden Kursen – wieder fallen könnten.

Der Goldpreis hat nicht von den Sorgen um einen Grexit profitiert

In der Finanzkrise horteten viele Anleger Gold. Aktuell profitiert das Edelmetall von der Grexit-Sorge jedoch nicht: In den vergangenen vier Wochen fiel der Kurs um 3,4 Prozent auf 1179 Dollar je Feinunze. In den USA stiegen zuletzt sogar die Short-Positionen. Das bedeutet: Größere Anleger erwarten nicht, dass Gold kurzfristig teurer wird. Auch der Euro-Kurs hält sich. Nach langer Abwärtstendenz steigt er seit Mitte März wieder, auch kurzfristig ist kein Verkaufsdruck zu bemerken. Im Falle eines drohenden Grexit könnten Spekulanten jedoch auf fallende Euro-Kurse setzen und sich verstärkt in die Krisenwährung Dollar flüchten.

Aktienexperten geben sich gelassen

Die meisten Aktienexperten und Fondsmanager bleiben derzeit noch gelassen. Zwar rechnet Anlagechef Asoka Wöhrmann von der Deutsche Asset & Wealth Management rund um einen griechischen Staatsbankrott oder gar einen Grexit durchaus mit „turbulenten Tagen“, die auch zeitweise in einer Panik münden könnten. Dies sei jedoch eher eine Chance: Er selbst warte „nur darauf, jegliche Kursübertreibung für uns auszunutzen“. Der Dax, glaubt Ralf Zimmermann vom Bankhaus Lampe, könne vielleicht bis auf 10 000 Punkte fallen, sich dort jedoch wieder erholen. Auch eine Umfrage der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) bei Investment-Profis vor einigen Wochen bestätigt dies: Fast zwei Drittel der befragten Berufsanleger glaubten danach nicht, dass ein Grexit negative Auswirkungen auf die europäischen Kapitalmärkte haben könnte. Grundsätzlich kommen Substanzwerte meist unversehrter über Zeiten großer Unsicherheit. Wöhrmann empfiehlt deshalb vor allem defensive Aktien mit anlegerfreundlicher Dividendenpolitik, beispielsweise Pharmawerte. Wichtig sei es auch, sein Geld auf verschiedene Regionen aufzuteilen. Auch lockere Stoppkurse, mit deren Hilfe Aktien und Fonds bei Erreichen einer bestimmten Schwelle automatisch von der Depotbank verkauft werden, könnten Anleger mit Crash-Sorgen beruhigen.

Deutsche Urlauber sollten genug Bargeld nach Griechenland mitnehmen

Was, wenn die griechische Pleite just während des Urlaubs auf Kreta oder Rhodos Realität wird? Deutsche Urlauber könnten dann Probleme haben, an Bargeld zu kommen. Denn Banken könnten zeitweise schließen, das Abheben an Automaten könnte eingeschränkt oder unmöglich sein. Es empfiehlt sich also, vorsorglich etwas mehr Bargeld mitzunehmen. Stürzt das Land nach einer Pleite in eine noch tiefere Krise, könnten Streiks, mangelnde medizinische Versorgung, unterbrochene Lieferketten und Treibstoffmangel den Alltag und den Urlaub erschweren.

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