Wirtschaft : Griechenland zittert um sein Geld Papandreou sagt Reise ab, Troika verschiebt Besuch

Athen/Breslau - Das Schuldendrama in Griechenland nimmt immer verwirrendere Züge an: Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou sagte am Samstag eine geplante Reise in die USA ab. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Finanzministeriums in Athen. Zuvor war die eigentlich für Montag erwartete Ankunft der Experten von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) in Athen ein zweites Mal aufgeschoben worden. Die Chefs der sogenannten „Troika“ werden demnach nicht wie ursprünglich erwartet am Montag in Athen sein. Stattdessen solle es lediglich eine Telefonkonferenz des griechischen Finanzministers Evangelos Venizelos mit den drei hohen Funktionären geben, hieß es. Die Reise der „Troika“ nach Athen war bereits zuvor einmal verschoben worden. Griechische Medien berichteten, die Regierung mache sich große Sorgen um die nächste Tranche der Finanzhilfe. Venizelos habe ein „äußerst negatives Klima“ beim Finanzministertreffen der EU im polnischen Breslau festgestellt. Nur wenn die „Troika“ grünes Licht gibt, wird Griechenland die nächste Tranche seiner dringend benötigten Finanzhilfe bekommen. Griechenland hat nach offiziellen Angaben Geld bis Oktober. Kommt die Hilfe nicht, ist das Land pleite.

Während das erste Hilfspaket noch gar nicht vollständig ausgezahlt ist, berieten die Finanzminister in Breslau bereits über das nächste. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äußerte sich zuversichtlich, dass die neuen Hilfen rechtzeitig unter Dach und Fach kommen. Er gehe davon aus, dass alle Euro-Länder bis etwa zum 10. Oktober das neue Hilfspaket sowie die Erweiterung des Rettungsschirms EFSF absegnen werden, sagte Schäuble nach den zweitägigen Beratungen der EU-Ressortchefs.

In der Debatte um eine neue Steuer auf Finanztransaktionen bleibt die EU dagegen weiterhin gespalten. In Breslau wurde deutlich, dass die 17 Euro-Länder notfalls allein vorangehen wollen. Vor allen Großbritannien mit dem großen Finanzplatz London bremst. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier kündigte an, die Kommission werde im Oktober einen Vorschlag machen. Bisher gebe es keinen Konsens unter den 27 Mitgliedstaaten. Gleichlautend äußerte sich der amtierende Vorsitzende der Ministerrunde, Polens Finanzminister Jacek Rostowski. In der EU gehören vor allem Deutschland und Frankreich zu den Befürwortern einer solchen Abgabe, die den kurzfristigen Handel an der Börse erschweren soll. Kanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatten sich Mitte August ausdrücklich dafür ausgesprochen. dpa

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