Wirtschaft : Griechischen Firmen geht das Geld aus Zwei Drittel der Börsenkonzerne haben rote Zahlen

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Athen - Griechische Regierungspolitiker werden nicht müde, das baldige Ende der Krise zu beschwören. Finanzminister Giannis Stournaras macht sogar positive Signale am Arbeitsmarkt aus – trotz einer im Mai auf 27,6 Prozent gestiegenen Arbeitslosenquote. Die Wirklichkeit ist aber düster. Im sechsten Jahr der tiefsten und längsten Rezession der griechischen Nachkriegsgeschichte geht immer mehr Firmen die Puste aus. Von den 267 Unternehmen, die an der Athener Börse notiert werden, haben im vergangenen Geschäftsjahr zwei Drittel rote Zahlen geschrieben. Während die meisten börsennotierten Aktiengesellschaften ein oder zwei Verlustjahre verkraften können, treibt die Krise viele kleine und mittelständische Betriebe in den Ruin.

Allein in diesem Jahr werden rund 95 000 Unternehmen Konkurs anmelden müssen. Das geht aus dem am Dienstag in Athen veröffentlichten Halbjahresbericht des Verbandes der griechischen Handwerks- und Handelsunternehmen hervor. Danach haben im ersten Halbjahr bereits rund 55 000 Firmen aufgeben müssen. Für das zweite Halbjahr rechnet der Verband mit weiteren 40 000 Pleiten und dem Verlust von 150 000 Arbeitsplätzen. Die Prognose stützt sich auf eine im Auftrag des Verbandes durchgeführte Umfrage unter 1200 repräsentativ ausgewählten Betrieben.

Die kleinen und mittelgroßen Firmen mit bis zu 250 Beschäftigten spielen für die griechische Volkswirtschaft eine sehr wichtige Rolle. Auf sie entfallen mehr als 85 Prozent aller Arbeitsplätze, gegenüber 67 Prozent im EU-Durchschnitt. An der Wertschöpfung sind diese Betriebe in Griechenland zu knapp 72 Prozent beteiligt (EU-Durchschnitt 58,4 Prozent).

Infolge der harten Sparauflagen der internationalen Geldgeber hat Griechenland seit 2009 fast ein Viertel seiner Wirtschaftsleistung eingebüßt. Der durchschnittliche Jahresumsatz der Klein- und Mittelbetriebe fiel von 425 300 Euro im Jahr 2009 auf 318 000 Euro im vergangenen Jahr. 2013 wird er nach Berechnungen des Verbandes auf 232 800 Euro zurückgehen. Noch krasser ist die Entwicklung bei den Gewinnen: Sie fielen zwischen 2009 und 2012 von durchschnittlich 49 212 Euro auf 12 640 Euro. Für 2013 wird ein weiterer Rückgang auf rund 7000 Euro erwartet.

Stärker als größere Unternehmen leiden die kleinen Firmen unter der Liquiditätsklemme. Sie bekommen kaum noch Darlehen, oft streichen die Banken sogar die Kreditlinien für die laufende Geschäftstätigkeit. Jeder zweite kleine und mittelständische Unternehmer fürchtet, dass seine Firma die Krise nicht überstehen wird. Laut Umfrage erwarten vier von zehn, wenn überhaupt, erst nach dem Jahr 2020 eine Besserung der Wirtschaftslage. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kündigte zwar bei seinem Besuch in Athen im Juli die Gründung einer „Institution für Wachstum“ an, die kleinen und mittelgroßen Firmen mit günstigen Krediten helfen soll. Der Fonds wird aber erst 2014 seine Arbeit aufnehmen – zu spät für zehntausende Firmen, die bis dahin pleitegehen werden. Gerd Höhler

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