Wirtschaft : "Größe allein reicht nicht aus"

Die Analysten sehen die europäischen Banken nach den Fusionen in den USA unter Zugzwang. Daniel Rhée-Pieningsprach mit dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Manfred Weber, über seine Erwartungen. TAGESSPIEGEL: Ist eine solche Fusionswelle auch in der Bundesrepublik denkbar? WEBER: Fusionen, wie sie jetzt in den USA stattfinden, hat es auch in Deutschland und in anderen Ländern gegeben.Jede Bank muß sich entscheiden, welchen Weg sie vor dem Hintergrund der Globalisierung und der Europäischen Währungsunion einschlagen will.Hier können Fusionen, Kooperationen, strategische Allianzen oder die Spezialisierung auf Marktnischen eine angemessene Strategie sein.Größe allein reicht nicht aus. TAGESSPIEGEL: Was sind die grundlegenden Unterschiede zwischen dem Bankensystem in Deutschland und den USA? WEBER: Deutschland verfügt über ein Universalbankensystem, das heißt, daß die Banken ihren Kunden vom Kredit- über das Einlagen- bis hin zum Wertpapiergeschäft und zur Betetiligungsfinanzierung alles unter einem Dach anbieten können.In den USA herrscht eine institutionelle Trennung zwischen Geschäftsbanken und Investmentbanken.Der Abbau der Regulierung führt nun dazu, daß sich die US-Institute neue Geschäftsfelder und Regionen erschließen. TAGESSPIEGEL: Was würde eine solche Fusionswelle für die privaten Kunden in der Bundesrepublik bedeuten? WEBER: Zunächst einmal sind die Fusionen in den USA vor dem Hintergrund einer neuen strategischen Ausrichtung auf dem US-Markt zu sehen.Ob dies auch zu einer Expansion ins Ausland wird, bleibt abzuwarten.Für die privaten Kunden in Deutschland wird sich zunächst kaum etwas ändern. TAGESSPIEGEL: Mit welchen Auswirkungen müßten die Beschäftigten rechnen? WEBER: Der Bankenmarkt befindet sich - auch in Deutschland - im Wandel.Einerseits bedingt die zunehmende Technisierung vom Kontoauszugsdrucker bis hin zum Homebanking einen geringer werdenden Personalbedarf in einigen Bereichen des Bankgeschäfts.Andererseits besteht ein zunehmender Bedarf an höher qualifizierten Fachkräften, insbesondere in der Beratung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben