Wirtschaft : Größer und flacher

Im WM-Jahr machen die Fernsehhersteller gute Geschäfte / Neue Technik soll den Absatz im zweiten Halbjahr in Schwung halten

Corinna Visser

Berlin - In den deutschen Wohnzimmern steht ein „Generationswechsel“ an: Auf der Internationalen Funkausstellung sollen die Besucher im September den „Aufbruch in eine neue Welt der Fernsehbilder erleben“. Zwar war das hochauflösende digitale Fernsehen (HDTV) bereits 2005 das dominierende Thema der weltgrößten Messe für Unterhaltungselektronik. Doch in diesem Jahr, so kündigen die Veranstalter an, präsentiert die Ifa eine Vielfalt serienreifer Empfangsgeräte und ein wachsendes Angebot an Programmen, die auch tatsächlich in der neuen Technik ausgestrahlt werden. HDTV soll sattere Farben, schärfere Konturen und mehr Tiefenschärfe ins Fernsehbild bringen. Insgesamt, so versprechen die Veranstalter – die Messe Berlin und die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) – erwarten den Besucher auf der Ifa mehr als 10 000 neue Produkte.

Die Fußball-WM hat das Geschäft mit Fernsehern deutlich belebt. Allein im Mai wurden 500 000 Geräte verkauft. Der Trend gehe zu immer größeren und immer flacheren Geräten, sagte Hans-Joachim Kamp, Chef von Philips Deutschland und zugleich Vorstandschef der Ifa. In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden 130 Prozent mehr flache LCD- und rund 80 Prozent mehr Plasma-Fernseher verkauft als in der Vorjahresperiode. Insgesamt setzte die Branche mit Unterhaltungselektronik im ersten Halbjahr 21,7 Milliarden Euro um, ein Plus von 7,6 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. 2006 wollen die Hersteller hierzulande erstmals mehr LCD- und Plasmabildschirme verkaufen als herkömmliche Röhrenfernseher.

Auch für das zweite Halbjahr zeigte sich Kamp optimistisch: Zum einen gebe die nun jährlich stattfindende Ifa wichtige Impulse. Zum anderen erwarte die Branche wegen der für 2007 angekündigten Mehrwertsteuererhöhung vorgezogene Käufe.

Messe Berlin und gfu hatten sich im November entschlossen, die Ifa, die bisher alle zwei Jahre stattfand, ab 2006 jährlich zu veranstalten. Trotz der kurzen Vorlaufzeit hätten die Anmeldungen die Erwartungen übertroffen, sagte Messe-Geschäftsführer Christian Göke. Mehr als 90 Prozent der Fläche seien vermietet, mehr als 1000 Aussteller hätten zugesagt. „Wir werden die Zahlen von 2003 übertreffen, aber nicht an 2005 herankommen“, sagte Göke. Im Vorjahr waren 101 946 Quadratmeter an 1202 Aussteller vermietet worden. Nicht zuletzt wegen der Ifa soll der Umsatz der Messe Berlin in diesem Jahr knapp 160 Millionen Euro erreichen, nach 130 Millionen Euro in 2005. Als Aussteller sind unter anderen mit dabei das ZDF, die Hersteller Philips, Loewe und Samsung sowie der Mobilfunkanbieter O2. Sony hat dagegen abgesagt. Die weiteren Trends auf der Ifa: hochauflösende Videos, Handy- und Internet-TV sowie Digitalkameras und Navigationsgeräte.

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