Wirtschaft : Größte Bestellung aller Zeiten

Indonesischer Billigflieger bestellt bei Airbus für gut 18 Milliarden Euro / Riesiges Wachstumspotenzial.

Markus Fasse
Hand in Hand in Hand. Airbus-Chef Fabrice Bregier (rechts) und Rusdi Kirna von Lion Air feiern den Großauftrag mit Präsident Francois Hollande. Foto: Reuters
Hand in Hand in Hand. Airbus-Chef Fabrice Bregier (rechts) und Rusdi Kirna von Lion Air feiern den Großauftrag mit Präsident...Foto: REUTERS

München - Superlative ist man bei Airbus gewohnt, aber ein Kunde wie Lion Air kommt auch nicht alle Tage. 234 Maschinen der Typen A 320 und A 321 bestellte der indonesische Billigflieger am Montag, das entspricht einem Listenpreis von 18,4 Milliarden Euro. Frankreichs Präsident Francoise Hollande feiert den Deal als „den größten Airbus- Auftrag aller Zeiten“. Immerhin sind die Airbus-Aufträge mittlerweile die wichtigste Stütze der französischen Exportbilanz, auch wenn jeder zweite A 320 aus Hamburg kommt. Auf jeden Fall sichere der Auftrag zehn Jahre lang 5000 Arbeitsplätze, frohlockte Hollande.

Der Megadeal in Südostasien wirft ein Schlaglicht auf die Situation im Weltluftverkehr. Seit zwei Jahren überschütten die Airlines die Flugzeughersteller mit Milliardenbestellungen. Vor allem die Mittelstreckenjets mit 150 bis 220 Plätzen werden in immer größeren Paketen geordert. Erst in der vergangenen Woche bestellte die Lufthansa 100 A 320, Turkish Airlines will 80 Maschinen dieses Typs. Die Masse der Bestellungen entfällt auf die Variante „Neo“ (New Engine Option). Dieses ab 2015 angebotene Modell soll mit neuen Triebwerken bis zu 15 Prozent Sprit sparen.

In Asien plant man in immer größeren Dimensionen: Mit einem erwarteten jährlichen Passagierzuwachs von 6,4 Prozent bis zum Jahr 2030 ist in der Region alles knapp: Flughäfen, Piloten und modernes Gerät. Vor allem bei Billigfliegern wie Air Asia aus Malaysia und Lion Air aus Indonesien. Wie ihre europäischen Vorbilder Ryanair und Easyjet pendeln ihre Flieger in hohen Frequenzen zwischen den Metropolen. Jakarta, Rangun oder Hanoi werden für Preise zwischen 100 und 200 Euro angeflogen. Um den Preis für das Fluggerät möglichst niedrig zu halten, kaufen die Low-Cost-Carrier in großen Mengen. Air Asia orderte bereits vor zwei Jahren 200 A 320, Lion Air bestellte eine ähnliche Menge von Boeings 737. Diese Maschinen aus Seattle und Toulouse sind besonders beliebt: Niedrige Wartungskosten und eine Zuverlässigkeit von weit über 99 Prozent machen ihren Einsatz gut kalkulierbar. Was in Südamerika der Busverkehr, wird in Südostasien der Billigflieger.

„Dieser wegweisende Auftrag stellt sicher, dass die Lion Air Group ihre Expansion mit einer der modernsten und fortschrittlichsten Flotten der Welt fortsetzen wird“, sagte Rusdi Kirana, Chef von Lion Air am Montag. Die erst im Jahr 2000 gegründete Fluglinie hat ein enormes Marktpotenzial. Mit einer West-Ost Ausdehnung von 5000 Kilometern und 240 Millionen Einwohnern ist Indonesien ebenso groß und fast so bevölkerungsreich wie Europa oder die USA. Doch während es in Indonesien mit seinen unzähligen Inseln erst 1,3 Flugzeuge pro eine Millionen Einwohner gibt, sind es in Deutschland acht und in den USA sogar fast 20.

Für Airbus und Boeing sind die Verkäufe in Asien der Garant für die kommenden Jahre. Die beiden Rivalen hatten lange gepokert, ob sie die Kassenschlager in ihrem Brot- und Buttergeschäft völlig neu konstruieren oder kostengünstig mit neuen Triebwerken einfach renovieren. Letzteres zahlt sich aus: Mit mehr als 2000 Bestellungen bei Airbus und gut 1000 Verkäufen bei Boeing haben die renovierten Baureihen A 320 und Boeing 737 ihre Erwartungen mehr als erfüllt. Airbus hat in den vergangenen drei Jahren die Produktion des A 320 um ein Drittel auf mittlerweile 42 Stück pro Monat hochgefahren, Boeing will in diesem Jahr bei der 737 auf 38 Maschinen kommen und 2014 ebenfalls auf 42 monatlich.

Die hohen Gewinne aus dem Geschäft mit der Mittelstrecke kompensieren die Schlappen auf der Langstrecke: Airbus plagen weiter schleppende Verkäufe und Verluste bei dem Doppelstöcker A 380. Und Boeing sucht weiter verzweifelt nach einer Lösung für die 787- „Dreamliner“. Die 50 ausgelieferten Maschinen haben nach Schwelbränden der Lithium-Ionen Batterien bis auf Weiteres ein weltweites Startverbot. (HB)

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