Wirtschaft : Größter Kabelanbieter der USA entsteht

kk/dri/HB

Der New Yorker Telekommunikationskonzern AT & T Corp. wird sein Kabelgeschäft mit dem des Kabelnetzbetreibers Comcast Corp. zusammenlegen. Comcast zahlt dafür 47 Milliarden Dollar in Aktien und übernimmt 25 Milliarden Dollar in Verbindlichkeiten, inklusive fünf Milliarden Dollar umtauschbare Sicherheiten von Microsoft. Damit hat Comcast den fünf Monate andauernden zähen Bieterprozess gewonnen, an dem sich auch AOL Time Warner Inc. und Cox Communications Inc. beteiligt hatten. Sollte einer der beiden Parteien die Fusion aufkündigen, muss er dem Partner laut Fusionsvertrag 1,5 Milliarden Dollar Strafe zahlen.

Comcast hatte im Juli ein feindliches Übernahmeangebot für die Kabelsparte AT & T Broadband vorgelegt, das der AT & TVorstand aber als unzureichend abwies. Das jüngste Angebot des Unternehmens mit Sitz in Philadelphia liegt um 14 Milliarden Dollar höher. Richard Klugmann, Analyst von Jefferson & Co., sagt jedoch, der Preis sei offenbar nicht wesentlich gestiegen. Schließlich enthalte das Abkommen jetzt auch Beteiligungen an Joint Ventures und einen 25,5-Prozent-Anteil an Time Warner Entertainment.

Mit der Zusammenlegung der Kabelgeschäfte entsteht ein Anbieter mit knapp 22 Millionen Kunden und einem Marktanteil von 30,5 Prozent. AT & T-Chef Michael Armstrong wird Chairman des neuen Unternehmens, das unter dem Namen AT & T Comcast firmieren und in Philadelphia sitzen soll. Comcast-Präsident und -Vorstandschef Brian Roberts wird den Posten des Vorstandsvorsitzenden übernehmen.

Die Fusion ist allerdings eher eine Übernahme von Comcast durch AT & T als umgekehrt: AT & T-Aktionäre werden mit 56 Prozent die Mehrheit des Kapitals halten und über 66 Prozent der Stimmrechte verfügen. Die Roberts-Familie, die Comcast von einem kleinen Familienunternehmen zu einem Kabelfernsehanbieter mit 11,7 Prozent Marktanteil ausgebaut hat, wird ein Drittel der Stimmen halten. In ihrem ursprünglichen Angebot hatte die Familie noch 45 Prozent bis 49 Prozent der Stimmrechte verlangt, obwohl ihr KapitalAnteil am Unternehmen bei nur zwei Prozent gelegen hätte. Das war ein Hauptgrund für AT & T gewesen, das ursprüngliche Angebot abzulehnen. Außerdem hat sich Comcast in dem verbesserten Angebot dazu bereit erklärt, Telefondienste anzubieten. Telefondienste sind einer der wichtigsten Bestandteile von Armstrongs bisheriger Kabelstrategie und zugleich einer der am schnellsten wachsenden Bereiche des AT & T-Kabelgeschäfts.

Bei der Auswahl des Bieters legte der Vorstand von AT & T Wert darauf, dass das Unternehmen stark genug ist, um die hohen Schulden von AT & T zu verdauen. Das hat wahrscheinlich den kleineren Bieter Cox aus dem Rennen geworfen. Einer Fusion mit dem Kabelgeschäft von AOL Time Warner stand der AT & T-Vorstand kritisch gegenüber, weil sie die Wettbewerbshüter kritisch gestimmt hätte.

Bei Comcast kommen weniger kartellrechtliche Bedenken auf. Da sich das Geschäft der beiden Unternehmen mit Ausnahme von vier Bundesstaaten nicht überschneidet, ist die Gefahr, dass AT & T Comcast eine dominante Stellung einnehmen wird, eher gering.

Comcast übernimmt mehr als die Hälfte der Schulden von AT & T Corp., die im September bei 38,5 Milliarden Dollar lagen. Nach der Abspaltung der Kabelsparte und zuvor der Mobilfunksparte bleiben von AT & T nur noch das klassische Geschäft mit Ferngesprächen und die Dienstleistungen für Geschäftskunden übrig.

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