Wirtschaft : Grohe-Belegschaft protestiert gegen Entlassungen

Mitarbeiter des Armaturenherstellers wehren sich gegen Investoren-Strategie/Werk Herzberg soll vollständig geschlossen werden

Harald Schumann

Hemer - „Unmoralisch, profitgierig, menschenverachtend“ – die Demonstranten vor dem Werkstor des Armaturenherstellers Grohe im sauerländischen Hemer sparten nicht mit starken Worten, als sie am Dienstag gegen die Umbaupläne des Vorstands protestierten. Rund 500 Beschäftigte aus den vier inländischen Werken waren angereist, um gemeinsam mit etwa gleich vielen ortsansässigen Kollegen vor der Konzernzentrale gegen die „Plünderung unseres Unternehmens“ durch Finanzinvestoren anzutreten.

Hintergrund des Konflikts sind die Forderungen der Finanzinvestoren Texas Pacific und CSFB Privat Equity, die das Unternehmen mit weltweit 5800 Beschäftigten im Juni 2004 von BC Partners, einem weiteren Fondsunternehmen, für rund 1,5 Milliarden Euro erworben hatten. Der von den Fondsmanagern eingesetzte neue Vorstandschef David Haines setzt anders als die früheren Eigentümer auf die weitgehende Verlagerung der Produktion ins Ausland. Mindestens 1500 Jobs müssten in Deutschland gestrichen werden, „um die Position im internationalen Wettbewerbsumfeld zu sichern“, hatte Haines am Montag erklären lassen.

Das ist jedoch nur die erste Phase eines von der Unternehmensberatung McKinsey im Auftrag von Haines erstellten Umbaukonzepts. Demnach sollen zunächst die Werke im brandenburgischen Herzberg und in Porta Westfalica mit je 350 Mitarbeitern bis Ende 2006 geschlossen und in den beiden anderen Werken in Hemer und im badischen Lahr weiteren 800 Beschäftigten gekündigt werden. Bis Ende 2008 sollen fast die gesamte inländische Produktion und damit 3500 Arbeitsplätze zu Gunsten von Lieferanten in Polen und China aufgelöst werden. Übrig bliebe nur die Zentrale, für die McKinsey einen Umzug in eine „international ausgerichtete deutsche Großstadt“ empfiehlt.

Dass all das aus Wettbewerbsgründen nötig sei, wollten die Demonstranten nicht gelten lassen. „Der Betrieb verdient seit Jahren gut“, erklärte August Stockmayer, Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Offenbar gehe es aber den neuen Eigentümern darum, „ganz schnell große Gewinnzahlen vorzuweisen“, um alsbald weiterverkaufen zu können. Tatsächlich konnte Grohe in den vergangenen Jahren mit hohen Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn glänzen. So lag das Betriebsergebnis im operativen Geschäft 2004 noch bei 123 Millionen Euro, entsprechend einer Umsatzrendite von 13,5 Prozent. Allerdings haben die Investoren zur Finanzierung ihres Kaufpreises den Konzern extrem hoch verschuldet.

Schon 2003, noch unter BC Partner-Besitz, fielen für Kredite und Anleihen 86 Millionen Euro Zinslasten an. Mit dem Verkauf an die neuen Investoren soll die Schuldenlast nun auf weit über eine Milliarde Euro gestiegen sein. Um profitabel zu bleiben, müssten nun 150 Millionen Euro gespart werden, fordert Haines, und der Betriebsrat stimmt im Prinzip zu. Peter Paulokat, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, setzt allerdings auf ein Gegenkonzept der Firma Management Engineers. Dabei ist zwar auch die Schließung des Werkes Herzberg vorgesehen. Zugleich soll das Unternehmen aber viele Aufgaben, die jetzt 6000 Lieferanten übernehmen, künftig selbst erledigen. Ob Haines und seine Auftraggeber sich darauf einlassen, war eine der Fragen der Arbeitnehmervertreter bei der für Dienstagabend angesetzten Aufsichtsratssitzung.

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