Großauftrag : Opel baut Insignia für den US-Markt

Mitten im Überlebenskampf hat der Autohersteller Opel einen Großauftrag erhalten, der aus dem General-Motors-Konzern stammt. Nach den Werksferien im Sommer soll im Stammwerk Rüsselsheim die US-Ausgabe des Mittelklassewagens Insignia vom Band laufen.

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Gefragtes Modell. Der Insignia, hier bei der Montage in Rüsselsheim, heißt in der US-Version „Buick La Crosse“ – und muss ohne...

Berlin/Rüsselsheim - Mitten im Überlebenskampf hat der Autohersteller Opel einen Großauftrag erhalten, der aus dem General-Motors-Konzern stammt. Nach den Werksferien im Sommer soll im Stammwerk Rüsselsheim die US-Ausgabe des Mittelklassewagens Insignia vom Band laufen. Geplant sind 70 000 Exemplare des Buick La Crosse innerhalb von zwei Jahren. Die Rüsselsheimer Fabrik ist derzeit mit einem Zweischichtbetrieb auf 180 000 Fahrzeuge im Jahr ausgelegt. Dort arbeiten 5600 Menschen. Für den Insignia liegen nach Werksangaben in Europa bereits mehr als 100 000 Bestellungen vor. Opel übernimmt die Produktion des Buick, weil das in den USA vorgesehene Werk Fairfax noch nicht auf das neue Modell umgestellt ist.

Die Entscheidung für Rüsselsheim passt nicht zu Berichten in den USA, wonach GM Teile seiner für den US-Heimatmarkt bestimmten Produktion aus Kanada, Europa und Australien nach Asien und Lateinamerika verlagern will. Es gehe um ein Volumen von rund 130 000 Fahrzeugen, berichtete die Zeitung „Detroit News“. GM vertreibt derzeit in den USA, etwa unter der Marke Saturn, den in Europa gefertigten Opel Astra.

GM setzt derweil auf rasche Finanzhilfen der Bundesregierung für die deutsche Tochter Opel. Es bestehe ein dringender Kapitalbedarf für das Europa-Geschäft, sagte GM-Chef Fritz Henderson bei einer Telefonkonferenz. „Wir brauchen die Unterstützung.“ GM werde die Investorensuche für Opel eng mit der Regierung abstimmen. Ziel sei ein Abschluss der Verhandlungen noch in diesem Monat. GM habe seine Bereitschaft signalisiert, einen Minderheitsanteil zu behalten.

Bei einer Pleite von GM könnten auch Konzerntöchter außerhalb der USA Insolvenz anmelden müssen, warnte Henderson. Eine Insolvenz sei wegen des Zeitdrucks für GM noch wahrscheinlicher. „Es gibt aber immer noch eine Chance außerhalb eines Insolvenzverfahrens“, befand der Konzernchef. US-Präsident Barack Obama hatte GM ein Ultimatum bis Ende Mai gesetzt. GM hat bisher 15,4 Milliarden Dollar vom Staat bekommen und braucht im Mai weiteres Geld.

Opel-Betriebsratschef Franz rechnet damit, dass GM in die Insolvenz nach US-Recht gehen wird. Bis dahin solle zumindest eine grundsätzliche Übereinkunft mit einem Investor unter Dach und Fach sein. „Wer ernsthaft Interesse an Opel hat, muss das in den nächsten zwei, drei Wochen beweisen.“ Offen zeigte er sich zu Vorschlägen von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), die europäischen GM-Teile bei einem Treuhänder zu parken, bis es eine Einigung gibt. „Mir wäre zwar der direkte Einstieg des Staates lieber, aber bei einem zu großen Widerstand ist auch das ein guter Vorschlag“, sagte Franz. Das Bundesfinanzministerium hielt sich in Sachen Treuhand zurück. Die Staatsbank KfW als Treuhänder sei weder in den Gesprächen des Bürgschaftsausschusses noch anderer Gremien aufgetaucht, daher wolle man keine Stellung beziehen.

Die Bundesregierung hat Opel die beantragten Bürgschaften in Höhe von 3,3 Milliarden Euro zugesagt für den Fall, dass das Unternehmen einen privaten Investor findet. Derzeit sind ein kanadisch-russisches Konsortium um den Autozulieferer Magna sowie Fiat bekannt. Am Montag gab es kurzzeitige Streiks in einer Fiat-Fabrik auf Sizilien, der im Falle der Opel-Übernahme die Schließung droht. Falls Fiat neben Chrysler auch bei Opel einsteigt, werden in Europa möglicherweise sechs Fabriken geschlossen. Zu den gefährdeten Standorten zählt auch das Opel-Motorenwerk in Kaiserslautern.

Das Konzept von Fiat stößt bei Branchenkennern nach wie vor auf große Skepsis. „Fiat-Chrysler-Opel ist eine wackelige Angelegenheit, die aus der Perspektive von Marchionne strategisch aber durchaus Sinn macht“, sagte Gregor Matthies, Autoexperte des Beratungsunternehmens Bain, dem Tagesspiegel. Der Fiat-Chef müsse aber sehr schnell zwei Probleme lösen: „Die unterschiedlichen, stolzen Kulturen der drei Autobauer in einem Konzern zusammenbringen und die Kapitalstruktur durch einen weiteren Investor stärken.“ mot/asi/dpa

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