Wirtschaft : Großbanken: Harte Schnitte sind nötig

Rolf Obertreis

Überraschend sind die Meldungen aus den Bankentürmen in Frankfurt am Main nicht. Angesichts der Börsenflaute, der schwachen Konjunktur, aber vor allem wegen der Kostenlawine war es nur eine Frage der Zeit, wann die Banken zu harten Schnitten ansetzen würden. Gerade in den Geldhäusern ist das Personal nicht billig, vor allem in den Abteilungen, die sich mit der Börse befassen, neue Unternehmen an den Aktienmarkt bringen oder Fusionen und Übernahmen betreuen. In den Bankentürmen kann trotz Computer und High-Tech auf den einzelnen Menschen viel weniger verzichtet werden als in anderen Bereichen. "Banking is People" hat einmal ein schlauer Banker gesagt.

Wenn es mit den Erträgen allerdings nicht wie gewünscht läuft, müssen die Kosten runter. Und das trifft bei den Banken vor allem die Mitarbeiter - eigentlich vom Vorstand runter bis zur Filiale. Aber wie üblich wird oben wenig gekappt, umso mehr dafür darunter. So sind die Machtverhältnisse. Wie viele Stellen abgebaut werden, ist derzeit schwer abzuschätzen. Kleinlich werden die Herren in den Bankentürmen nicht sein, auch wenn sie Entlassungen so weit wie möglich vermeiden werden und auf Vorruhestand, Teilzeit und ähnliches setzen. Die Gewerkschaften machen zwar mehr Beratungsbedarf bei den Banken aus, etwa wegen der Riester-Rente, aber das wird wohl kaum mehr Menschen einen Bank-Job verschaffen. Die Gewerkschafter wissen zu gut, dass Banken künftig mit deutlich weniger Mitarbeitern auskommen (müssen). Schließlich wird sogar schon bei den im Vorjahr noch hochgelobten Online-Brokern kurzgearbeitet. Ob im gesamten Finanzdienstleistungsbereich bis 2010 wirklich 200 000 Jobs verschwinden, ist Spekulation. Eine sechsstellige Zahl wird es wohl sein. Eine Wachstumsbranche sind Banken und Versicherungen jedenfalls nicht mehr.

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