Wirtschaft : Großbanken: Massiver Personalabbau

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Die Konjunkturflaute, die Talfahrt der Aktienkurse, das brachliegende Emissionsgeschäft, aber auch die Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz sorgen offenbar für einen massiveren Stellenabbau bei den Frankfurter Großbanken als bislang bekannt. Bis zu 20 000 Jobs könnten in den nächsten Jahren gefährdet sein. Fest steht, dass bei der Dresdner Bank bis Ende 2003 weitere 1300 Arbeitsplätze vor allem in der Zentrale und in Abwicklungseinheiten gestrichen werden. Entsprechenden Plänen des Vorstandes stimmte der Aufsichtsrat am Dienstag zu. Bei der Commerzbank gibt es noch keine Entscheidungen, aber Anpassungen gelten als unumgänglich. "Als reine Spekulation" bezeichnete ein Sprecher der Deutschen Bank Berichte, dass 12 000 bis 15 000 Stellen zur Disposition stünden. Auch die Dienstleistungs-Gewerkschaft Verdi spricht von Spekulationen, kündigt allerdings schon Proteste an.

Die Entscheidung des Vorstandes der Dresdner Bank kommt nicht überraschend. Nach der Übernahme durch die Allianz war schon länger darüber spekuliert worden, dass vor allem in der Zentrale und in zentralen Einheiten Personal eingespart werden muss. Die jetzt genannten 1300 Stellen werden vor allem in Frankfurt wegfallen, wo die Bank 8000 Mitarbeiter hat. Fest steht schon seit längerem, dass im Investmentbanking 1500 Stellen und in den Filialen zwischen Frühjahr 2000 und Ende 2003 rund 5000 Arbeitsplätze wegfallen. Bis Ende 2003 will die Bank ihren Verwaltungsaufwand um 15 Prozent oder jährlich 1,3 Milliarden Euro drücken. Derzeit beschäftigt die Dresdner Bank weltweit rund 47 000 Mitarbeiter.

Bei der Commerzbank wird derzeit nur der von Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller zum 30. Juni verkündete Stellenstopp umgesetzt. Damit und mit weiteren Kürzungen der Sachkosten will das Geldhaus bis Jahresende 240 Millionen Euro einsparen. Dass es dabei allein nicht bleiben wird, ist für Pressesprecher Peter Pietsch keine Frage. "Wir haben nur zwei Stellschrauben: Die Erträge und die Kosten. Und bei den Kosten spielt das Personal eine wichtige Rolle." Derzeit untersucht die Unternehmensberatung Booz. Allen & Hamilton unter dem Stichwort "Kostenoffensive" alle Bereiche der Bank. Einzelne Vorschläge liegen dem Vorstand schon vor. Beschlüsse gibt es aber noch nicht. Dass rund zehn Prozent der derzeit weltweit 39 000 Stellen gestrichen werden sollen, ist denn auch ebenfalls Spekulation.

Bei der Deutschen Bank weist man jedes Zahlenspiel zurück. "Alles Spekulation", sagt Bank-Sprecher Ronald Weichert. Dort tagte am Dienstag der Gesamtbetriebsrat. Angeblich sollen 12 000 bis 15 000 der weltweit 97 000 Jobs zur Disposition stehen. Sicher ist bislang nur, dass bis 2003 rund 2.600 Arbeitsplätze durch die formale Aufteilung der Bank in eine Investment- und in eine Privatkunden- /Vermögensverwaltungs-Sparte wegfallen. Dies hat Vorstandssprecher Rolf Breuer bereits im Februar verkündet.

Seitdem allerdings hat sich die Situation für alle Banken entscheidend geändert. Die Talfahrt der Aktienkurse hat dem Provisionsgeschäft einen herben Dämpfer verliehen. Der Eigenhandel läuft nicht mehr rund. Und im Investmentbanking ist das Emissionsgeschäft praktisch zum Erliegen gekommen. Die Erträge sind deshalb stark geschrumpft. Operativ soll die Dresdner Bank im ersten Halbjahr schon rote Zahlen geschrieben haben. Auch über das ganze Jahr hin könnten einige Banken, vermutet Banken-Analyst Dieter Hein von Credit Lyonnais, nur dank außerordentlicher Erträge einen Gewinn ausweisen. Im ersten Halbjahr hatten alle Institute mit zum Teil dramatisch angestiegenen Verwaltungskosten zu kämpfen. Bei Dresdner kletterte der Aufwand um 18,6 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro, bei der Commerzbank gab es ein Plus von 18 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Nur bei der Deutschen Bank hielt sich der Zuwachs mit 6,9 Prozent in Grenzen. Mit elf Milliarden Euro war der Kostenblock allerdings ohnehin gewaltig. Vor allem bei Dresdner und Commerzbank legten die Erträge im Gegenzug nur leicht zu oder schrumpften sogar.

Bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gibt es derzeit keine konkreten Erkenntnisse über einen weitreichenden Personalabbau bei den Großbanken. Uwe Foullong hält entsprechende Überlegungen allerdings nicht für unwahrscheinlich. "Das wären aber überzogene Maßnahmen. Schließlich wächst die Nachfrage nach Finanzdienstleistungen."

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