Wirtschaft : Großbanken verdienen wieder Geld

Hypo-Vereinsbank leidet noch unter Sonderabschreibungen – Deutsche Bank profitiert vom radikalen Umbau

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Berlin/München (nad/fo). Die Großbanken machen operativ wieder Gewinn. Während sich Branchenprimus Deutsche Bank inzwischen von Sonderbelastungen weitgehend befreit hat, leidet die Münchener HypoVereinsbank weiter unter der Pleitewelle. Abschreibungen verderben das Zwischenergebnis. Die Börse war vor allem von der Deutschen Bank enttäuscht. Die Anleger hatten noch bessere Zahlen erwartet.

Die Hypo-Vereinsbank (HVB) kommt langsam aus der Krise: Zwar hat das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut sein Ergebnis im zweiten Quartal etwas verbessert; es schreibt aber immer noch rote Zahlen. Um ihre angegriffene Kapitalbasis zu stärken, will sich die HVB deshalb möglichst bald von weiteren Beteiligungen trennen, teilte die HVB am Donnerstag mit.

Vor Steuern wies sie im zweiten Quartal einen Gewinn von 53 Millionen Euro aus und übertraf damit sogar die Einschätzungen von Analysten. Unter dem Strich stand im zweiten Quartal aber ein Minus von 67 Millionen Euro (Vorquartal: minus 77 Millionen Euro). In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres hatte die HVB noch schwarze Zahlen geschrieben; danach wurde sie von der Konjunkturflaute und der Firmen-Pleitewelle in die Verlustzone gerissen. Die HVB hat mit 430 Milliarden Euro das dickste Kreditbuch aller Banken in Europa und leidet daher besonders stark unter den Insolvenzen. Im ersten Halbjahr konnte die Risikovorsorge immerhin um knapp 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesenkt werden. Bei dem für die Bank wichtigen Handelsergebnis konnte die HVB wegen des jüngsten Aufschwungs an den Börsen um zwölf Prozent zulegen. Auch ihre Kosten bekommt die HVB allmählich in den Griff: Der Verwaltungsaufwand wurde im gesamten ersten Halbjahr um 11,3 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro gedrückt.

Rampl sieht HVB-Umbau im Plan

Vorstandssprecher Dieter Rampl zufolge liegt die HVB beim Konzernumbau „gut im Plan". Trotz des schwachen operativen Geschäfts bekräftigte er seine Prognose, im Gesamtjahr einen Gewinn von 300 bis 600 Millionen Euro vor Steuern erreichen zu wollen. Seinem Ziel, die Kernkapitalquote bis Jahresende auf sieben Prozent zu steigern, ist Rampl ein gutes Stück näher gekommen. Mit dem Verkauf der Norisbank und dem Teil-Börsengang der Tochter Bank Austria, die zusammen etwa 1,4 Milliarden Euro einbrachten, ist die Quote auf 6,3 Prozent gestiegen. Die Erlöse sind im zweiten Quartal aber noch nicht berücksichtigt. Weil Rampl insgesamt 1,7 Milliarden Euro Kapital einsammeln will, stehen nach Angaben eines Banksprechers weiterhin alle Beteiligungen auf dem Prüfstand. Dazu gehören neben dem Online-Broker DAB Bank auch die Mehrheit an Brau und Brunnen sowie die Minderheitsbeteiligungen an Münchener Rück und Allianz. Brau und Brunnen will die HVB nach Angaben des Sprechers noch in diesem Jahr losschlagen, „sofern der Preis stimmt“. Von der am Mittwoch beschlossenen Integration der Vereins- und Westbank in den Konzern erhofft sich die HVB mittelfristig Einspareffekte von 70 bis 100 Millionen Euro. Nach Angaben des Sprechers könnten etwa 500 der rund 4600 Mitarbeiter der Vereins- und Westbank vom Stellenabbau betroffen sein. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet dagegen den Abbau von bis zu 900 Arbeitsplätzen.

Ackermann preist Konzentration

Die Deutsche Bank hat durch massive Kosteneinsparungen im zweiten Quartal 2003 ihren Nettogewinn mit 572 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Auch die Risikovorsorge konnte zum dritten Mal in Folge reduziert werden, teilte das Institut mit. Die Börse reagierte dennoch enttäuscht: viele Analysten hatten einen Nettogewinn von über 700 Millionen Euro erwartet.

Der bereinigte Gewinn vor Steuern wuchs um 70 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahresquartal. Die bereinigten Erträge stiegen in diesem Zeitraum den Angaben zufolge um acht Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 6,0 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahresquartal sanken sie um fünf Prozent. Grund dafür seien Verkäufe und Wechselkurseffekte.

Vorstandssprecher Josef Ackermann sagte zu den vorgelegten Zahlen, die eigenen strategischen Initiativen hätten die Deutsche Bank in den vergangenen 15 Monaten grundlegend verändert. „Als Konsequenz haben wir in zwei aufeinander folgenden Quartalen ein gutes Ergebnis vorgelegt, mit einem bereinigten Gewinn vor Steuern von 2,2 Milliarden Euro. Mit der Konzentration auf unsere Kerngeschäftsfelder nimmt die operative Stärke des Konzerns weiter zu.“

Auch die Deutsche Bank hat wie die HVB ihre Risikovorsorge reduziert. Sie sank um fünf Prozent auf 333 Millionen Euro. Die Problemkredite werden jetzt mit 8,4 Milliarden Euro beziffert. Der Personalaufwand betrug im zweiten Quartal 2,8 Milliarden Euro und lag damit um 149 Millionen Euro unter dem des Vorjahreszeitraums. Grund für den Rückgang seien vor allem der Stellenabbau durch den Verkauf von Töchtern und durch die Restrukturierung, hieß es.

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