Wirtschaft : Großbritannien: Die Maul- und Klauenseuche bremst das Wachstum

Imke Henkel

In England ist es still geworden um die Maul- und Klauenseuche. Nachdem die Krankheit wochenlang die Schlagzeilen bestimmte, apokalyptische Fernsehbilder und Zeitungsreportagen über gigantische Scheiterhaufen aus Tierkadavern täglich das Medienpublikum heimsuchten, ist die Stille, die das Thema jetzt umgibt, zumindest verblüffend. Als am 2. Juni mit dreizehn neuen Fällen die Zahl der betroffenen Höfe zum erstenmal seit Ende April wieder deutlich zunahm, fand das Thema in den Nachrichten nur noch unter ferner liefen statt, verdrängt von Debatten über die Frage, wie überwältigend der Sieg der Labour-Partei wohl ausfallen werde.

Immerhin hatte der gewaltige Ausbruch der Seuche Premierminister Tony Blair zunächst bewogen, die eigentlich für den 3. Mai vorgesehene Wahl auf den 7. Juni zu verschieben. Seitdem jedoch wird MKS nur noch unter der Überschrft "läuft aus" behandelt. Das jüngste Aufflackern neuer Fälle macht der Hoffnung zwar einen Strich durch die Rechnung: Sowohl die National Farmers Union (NFU) als auch der English Tourism Council (ETC) gehen jetzt davon aus, dass die Krankheit das Land auch über die Sommermonate hin nicht verlassen wird. Doch beide Organisationen scheinen die Entwicklung mittlerweile als ein Schicksal hinzunehmen, das sich dem politischen Einfluss entzieht. "Wie wir mit den neuen Fällen fertig werden, ist mehr eine Verfahrensfrage", sagt etwa NFU-Sprecherin Dawn Kingsford.

Kein Hinweis mehr auf die zornigen Auseinandersetzungen im März und April um eben diese Verfahren: Die Regierung sei erst zu spät eingeschritten, dann zu heftig, Tiere seien unnötig gekeult, die wahren Zahlen verschleiert worden. Die Versuche von Oppositionsführer William Hague, die Debatte nun im Wahlkamopf erneut anzuheizen mit dem Vorwurf, Labour kehre "dem Land den Rücken", liefen jedoch ebenso ins Leere wie die Anschuldigung seines Schatten-Landwirtschaftsministers Tim Yeo, seit sie den Wahltermin verkündet habe führe die Regierung die Öffentlichkeit über das wahre Ausmaß der Seuche in die Irre.

Dabei steht mittlerweile außer Frage, dass MKS die britische Wirtschaft deutlich in Mitleidenschaft gezogen hat und ziehen wird. Wenn auch die Landwirtschaft nur 0,8 Prozent des Bruttoinlandprodukts ausmacht und auch der Tourismus etwa in England für nur vier Prozent des Bruttoinlandproduktes steht, so sind die Gesamtfolgen doch wesentlich gravierender, als es diese Zahlen nahelegen. Anfang der Woche veröffentlichte der Unternehmensverband CBI den gemeinsam mit Deloitte & Touche erstellten Vierteljahresbericht zur Lage des Dienstleistungssektors. Danach ist der Optimismus der Dienstleistungsfirmen von plus elf Prozent im Februar auf minus 23 Prozent im Mai gefallen, die Zuversicht der Firmen sank von plus zwölf auf minus acht Prozent - wegen der befürchteten Auswirkungen der MKS-Krise auf das Verhalten der Verbraucher. Bereits im März hatte das Centre for Economic and Business Research (CEBR) die Wachstumserwartungen für das Bruttoinlandsprodukt von drei auf zwei Prozent heruntergeschraubt - ebenfalls wegen MKS. Deren Gesamtkosten könnten sich auf neun Milliarden Pfund belaufen, schätzt das CEBR.

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