Wirtschaft : Große Aufgaben, großer Ehrgeiz

Mit Arthur Higgins führt ein Schotte die neue Bayer Schering Pharma – er hat einen harten Job vor sich

Maren Peters

Berlin - Ein Apartment in Berlin hat er bereits. Doch das wird Arthur J. Higgins in nächster Zeit vermutlich nicht besonders häufig zu sehen bekommen, denn vor dem gerade berufenen Vorstandsvorsitzenden der neuen Bayer Schering Pharma AG liegt eine Menge Arbeit. Auf den 50-jährigen Schotten, den der Aufsichtsrat von Schering zusammen mit seinen vier Vorstandskollegen am Donnerstag offiziell ins Amt bestellt hat, kommt die immense Aufgabe zu, die alte Schering AG in den Bayer-Konzern zu integrieren. „Das hat für uns größte Priorität“, sagte Higgins gestern zum Auftakt in Berlin. Die Ziele hatte Bayer-Chef Werner Wenning zuvor abgesteckt: Higgins muss 6000 Stellen abbauen, 700 Millionen Euro an Synergien heben und bei alledem noch sicherstellen, dass das Geschäft trotzdem erfolgreich weiterläuft.

An seinem ersten Tag im neuen Job sah man ihm die Anspannung nicht an. Higgins wirkt ruhig, freundlich und locker. Schon nach kurzer Zeit legt er den Sakko ab und fordert seine Zuhörer auf, es ihm gleichzutun. „Heute ist ein bedeutender Tag für Berlin“, sagte der Pharma-Manager. Auch für Bayer sei es ein historischer Tag. Für 17 Milliarden Euro hat der Leverkusener Konzern gerade Schering übernommen. Es war der größte Kauf, den Bayer in seiner 143-jährigen Geschichte bisher gestemmt hat. Mit einem Gesamtumsatz von mehr als neun Milliarden Euro ist Bayer Schering Pharma künftig die Nummer eins unter den deutschen Pharmaunternehmen.

Das offizielle Ende von Schering, Berlins einzigem Dax-Konzern, hatten die Aktionäre am späten Mittwochabend nach über zwölfstündiger Diskussion besiegelt. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Internationalen Congress Centrum (ICC) stimmten sie dem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zu. Nach der Eintragung ins Handelsregister ist der Weg frei für die vollständige Integration von Schering in den Bayer-Konzern. Bayer hält seit der vergangenen Woche mehr als 95 Prozent der Schering-Anteile und kann die restlichen Aktionäre jetzt ohne ihre Zustimmung abfinden und so aus dem Konzern drängen.

Wer gestern Details zum weiteren Fahrplan der Integration und zu dem Beitrag erwartete, den die rund 6500 Berliner Beschäftigten von Schering leisten müssen, wurde enttäuscht. Higgins gab nur etwas von seiner „Philosophie“ preis, wie er das nannte. Ziel sei es, „das Beste aus beiden Unternehmen zu vereinen und so ein Ganzes zu formen, das mehr Wert generiert, als die Summe seiner Teile“. Darüberhinaus gab er nur die Auskunft, dass die Integration „planmäßig“ verlaufe. Die beiden obersten Führungsebenen des zukünftigen Unternehmens seien bestimmt und mehr als 100 Integrationsteams eingesetzt, die sämtliche Schlüsselfunktionen abdeckten. „Wir wissen, wie es geht, und werden es reibungslos, schnell und erfolgreich umsetzen.“ Mitarbeitervertreter hatten am Vortag auf der Hauptversammlung beklagt, das vorherrschende Gefühl unter der Belegschaft sei „bohrende Ungewissheit“.

Higgins bestätigte die Ankündigung, dass rund 6000 Stellen im fusionierten Unternehmen abgebaut werden, das sind zehn Prozent der Pharma-Arbeitsplätze. Für das neue Unternehmen sei es zwar wichtig, von 2009 an jährlich 700 Millionen Euro durch Synergien einzusparen, trotzdem werde sich das Unternehmen aber auf Wachstum konzentrieren, betonte er. „Wir gehen davon aus, dass wir im Zuge dieses Wachstums langfristig neue Arbeitsplätze schaffen wollen.“

Für seine spezielle Aufgabe bringt Higgins viel Erfahrung mit. Nach Stationen bei großen Pharmaunternehmen wie Bristol-Myers, Sandoz und Abbott machte Bayer den Biochemiker vor gut zwei Jahren zum Chef der Gesundheitssparte Health Care. Dort managte der Vater dreier Kinder erfolgreich die Integration der von Roche gekauften Sparte für rezeptfreie Medikamente. Im neuen Vorstand wird er unterstützt von Werner Baumann und Gunnar Riemann, die von Bayer kommen, sowie Ulrich Köstlin und Marc Rubin, die vorher bereits dem Schering-Vorstand angehörten.

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