Wirtschaft : Große Bankenfusionen in Deutschland nicht aktuell

Morgan Stanley hält auch Übernahme von Sparkassen durch Private für unwahrscheinlich

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Frankfurt am Main – Die deutschen Großbanken haben bereits einen guten Teil der Strecke hin zu internationaler Wettbewerbsfähigkeit zurückgelegt. Dies bescheinigt den Instituten der DeutschlandChef von Morgan Stanley, Lutz Raettig, in einem Interview mit dem Handelsblatt. Die Großbanken konzentrieren sich jetzt wieder auf das Geschäft, in dem sie besondere Expertise haben. Die Branche habe erkannt, dass das Universalbankenprinzip nicht für alle trage. Auch Spezialisten, etwa die im Immobiliengeschäft aktive Hypo Real Estate, hätten ihre Existenzberechtigung und erzielten attraktive Margen.

Die Gefahr von Übernahmen durch ausländische Institute befürchtet Raettig derzeit nicht. „Es wäre falsch, die deutschen Banken nur in der Defensive zu sehen und als Opfer für mögliche ausländische Aufkäufer. Bisher haben keine Ausländer zugegriffen, obwohl deutsche Institute wegen der jüngsten Kursentwicklung günstig zu haben wären“, sagte der Investmentbanker. Auch mit einer Fusion unter den Großbanken rechnet Raettig in absehbarer Zeit nicht. „Eine große Vollfusion steht meines Erachtens nicht an. Das schließt nicht aus, dass es zu kleineren Zukäufen und Desinvestitionen kommt. Ich habe meine Zweifel, ob Größe das allein selig machend ist. Was zählt, ist Rentabilität und das Absichern von bestimmten Produktbereichen, in denen eine Bank Spitze ist.“ Eindeutig wichtiger als ein Platzhirsch sei ein leistungsfähiges Bankensystem – und das gebe es in Deutschland, so Raettig. Um ein Institut von dem Gewicht der Citigroup aus Deutschland heraus zu entwickeln, bräuchte man in Deutschland wohl etliche Jahre.

Dennoch befänden sich die deutschen Banken mitten im Umstrukturierungsprozess. Allerdings werde die Aufteilung auf die drei Säulen – private Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken – wohl auch in den kommenden Jahrzehnten bestehen bleiben.

Unterdessen warnte Deutsche- Bank-Chef Josel Ackermann vor den negativen Folgen einer Übernahme einer deutschen Großbank durch ein ausländisches Institut. Das deutsche Institut könnte dann beispielsweise schwieriger an Kredite kommen. Für sein Haus schloss Ackermann Fusionen aus, die auf eine Übernahme durch einen größeren Konkurrenten hinauslaufen. Die Deutsche Bank könne sich aber mit gezielten Käufen im Geschäft mit Privatkunden und in der Vermögensverwaltung ergänzen. pk/rob/HB/Tsp

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