Wirtschaft : Große Übernahmen nicht mehr im Trend

Frankfurt am Main - Für Finanzinvestoren wie die US-Firmen Blackstone, KKR, Terra Firma oder auch kleinere Beteiligungsfirmen brechen schwierigere Zeiten an. „Große Übernahmen wird es in nächster Zeit nicht geben, die Aggressivität ist aus dem Markt verschwunden“, sagte Christian Specht, Partner bei KPMG und Experte für Private Equity, am Dienstag in Frankfurt. Auch die Investmentbank Rothschild rechnet mit einer Abschwächung im Beteiligungsgeschäft.

Der Grund: Banken finanzieren Übernahmen wegen der Kreditkrise nur noch sehr zurückhaltend. Finanzinvestoren nutzen für ihre milliardenschweren Übernahmen aber lieber Fremd- als Eigenkapital, weil sich dadurch höhere Renditen erzielen lassen. Nach Einschätzung von KPMG-Experte Specht sind Übernahmen in einem Volumen bis höchstens 400 Millionen Euro allerdings auch künftig möglich. Die Renditen würden aber kleiner, nach bis zu 30 Prozent in den vergangenen Jahren erwartet er jetzt nur noch etwa acht bis 15 Prozent. Das dämpft die Euphorie in der Branche, die sich in der nächsten Woche zu ihrer alljährlichen Großkonferenz „Super Return“ in München trifft.

Dabei stehen die Finanzinvestoren, wie Specht bei der Vorlage einer Umfrage unter rund 200 Private-Equity-Firmen sagte, unter erheblichem Anlagedruck. In der Hoffnung auf weitere stattliche zweistellige Renditen haben sie Geld eingesammelt wie selten zuvor. In mehreren Fonds liegen dem Vernehmen nach jeweils zehn bis zwölf Milliarden Dollar oder noch viel mehr. Das Geld muss eigentlich investiert werden, aber die Banken schauen viel genauer hin und sind immer seltener bereit, eine Finanzierung alleine zu übernehmen.

Zugleich wird die Konkurrenz auf dem Private-Equity-Markt größer, da auch Staatsfonds auf der Suche nach lukrativen Investments sind. Specht erwartet denn auch weitere Übernahmen durch Finanzinvestoren, etwa in der Größenordnung wie die Übernahme des Energiedienstleisters Techem 2007 durch die australische Investmentbank Macquarie.

Einen schnellen Ausstieg und den Weiterverkauf nach nur einem oder eineinhalb Jahren wird es nach Angaben der KPMG aber immer weniger geben. „Es geht jetzt um eine längere Haltedauer und eine nachhaltigere Wertsteigerung der Unternehmen“, sagte Specht.

Vor allem im Gesundheitsmarkt, in der Umwelttechnologie, im Energiebereich und bei Verbrauchsgüter-Herstellern erwartet KPMG in nächster Zeit weitere Übernahmen. Zudem würden sich Finanzinvestoren intensiver als bisher auch in Osteuropa und in Asien umschauen. ro

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben