Wirtschaft : Große Zahlen, kleine Wirkung

Moritz Döbler

Wenn es darum geht, was die am Sonntag zu Ende gegangene Welthandelsrunde in Hongkong hätte erreichen können, stehen riesige Summen im Raum. Der Abbau von Subventionen und Zöllen könne der ganzen Welt einen enormen Wohlfahrtsgewinn – also zusätzliche Einnahmen – bescheren, sagen Experten. Eine EU-Studie errechnete knapp 400 Milliarden Dollar pro Jahr, anderswo war von 500 oder 800 die Rede, in einer aktuellen Weltbank-Studie von knapp 300. Die Diskrepanz zeigt, wie unsicher die Berechnungen sind. Eine Reform mit halber Kraft brächte jedenfalls nicht den halben errechneten Gewinn, heißt es in der Weltbank-Studie. Insofern klingt eine Rechnung des Bundesverbands für Groß- und Außenhandel (BGA) zweifelhaft: Mindestens ein Zehntel der 300 Milliarden flösse Exportweltmeister Deutschland zu, weil ein Zehntel des Welthandels in deutscher Hand sei. Und weil man auch im Transithandel stark sei, könne man bis zu 13 Prozent veranschlagen. 39 Milliarden Dollar jedes Jahr, das wäre ja mal eine gute Nachricht! Wenn da nicht die Kosten wären, etwa für Ausgleichszahlungen an deutsche Zuckerrübenbauern, um nur ein Beispiel zu nennen. Da aber die Frage des Marktzugangs für Industriegüter und Dienstleistungen in Hongkong offen blieb, gibt es wohl vorerst keinen deutschen Wohlfahrtsgewinn. Auch andere Erwartungen wurden enttäuscht. Die Exporterlöse der 50 ärmsten Länder würden laut Uno um 5,3 Milliarden Euro steigen, wenn ihnen die Industriestaaten einen zoll- und quotenfreien Marktzugang für alle Produkte gewährten. So weit ging man in Hongkong aber nicht.

hinterfragt den „Wohlfahrtsgewinn“ eines freien Welthandels

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