Wirtschaft : Großer Bahnhof für den Autozwerg Smart

ANDREA JOCHAM (HB)

Produktion läuft am Montag an / Auslieferung im Frühjahr 1998VON ANDREA JOCHAM (HB)

STUTTGART.Rund 2500 Gäste werden am kommenden Montag zum Eröffnungs-Festakt in der Smart-Fabrik erwartet.Bundeskanzler Kohl und Frankreichs Staatspräsident Chirac geben den offiziellen Startschuß.In der Öffentlichkeit ist das Interesse groß.Bei der Entwicklung, Produktion und dem Vertrieb des nur 2,50 Meter kurzen Autozwergs ist Daimler-Benz neue Wege gegangen.Über die Erfolgschancen des zweisitzigen Stadtautos wird weiterhin heftig gestritten.Doch bei Daimler-Benz wird bereits darüber geredet, das Label "Smart" neben dem "Stern" als Zweitmarke zu etablieren.Viel Kopfschütteln erntete der Stuttgarter Konzern, als er sich Anfang 1994 mit Nicolas Hayek und dessen SMH Schweizerische Gesellschaft für Mikroelektronik und Uhrenindustrie AG verbündete, um das "Swatch-Mobil", ein Fahrzeug für "zwei Personen und zwei Kästen Bier", zu konzipieren.Sie gründeten das Joint Venture Micro Compact Car (MCC) mit Sitz im schweizerischen Biel.Bei Volkswagen war Hayek trotz fortgeschrittener Zusammenarbeit nach dem Amtsantritt von Ferdinand Piech als VW-Vorstandschef abgeblitzt.Dagegen überlebte das Projekt den Wechsel an der Daimler-Führungspitze.Im Oktober 1995 wurde mit dem Bau der Smart-Fabrik in Hambach, kurz hinter der französischen Grenze, begonnen. Beim Produktionskonzept wagt sich Daimler-Benz auf das Experimentierfeld.Die Fertigungstiefe beträgt insgesamt nur 25 Prozent.Die Zulieferer sind dabei in die Produktion integriert.Dort sind mehr als die Hälfte der Mitarbeiter tätig.Zur Zeit arbeiten insgesamt 800 Beschäftigte in "Smart-Ville".Bei voller Auslastung sollen es 2000 sein.Sieben Systemlieferanten bauen ihre Module selbst in das Fahrzeug ein.Ihre Hallen sind sternförmig um die eigentliche Montagehalle angeordnet.In der Rekordzeit von etwa 7,5 Stunden sollen die kompletten Smarts montiert sein.Auch die Logistik, das Informationsmanagment sowie die Personalauswahl wurden nach außen vergeben.Das Projektvolumen bis zur Markteinführung des Autos summiert sich auf 8 Mrd.Francs (2,38 Mrd.DM).Die Gewinnschwelle soll bald erreicht werden.Sie liegt nach früheren Angaben bei 60 Prozent Auslastung, also rund 120 000 Fahrzeugen pro Jahr.Für 1998 sind 100 000 Stück geplant.Erst 2001 rechnet MCC mit der vollen Stückzahl von 200 000.Das gesamte Produktprogramm inklusive Cabrio soll 2000 auf dem Markt sein. Auch im Vertrieb will Daimler-Benz neue Wege gehen.Eingeführt werden soll der Smart im Frühjahr 1998 in acht europäischen Ländern.Verkauft wird das Stadtauto, das je nach Ausstattung zwischen 16 000 und 20 000 DM kostet, von einer eigenen Händlerorganisation.Insgesamt sollen zunächst in 86 europäischen Ballungsräumen gut 100 Vertriebszentren entstehen, im Endausbau 250.Aktuell hat MCC 96 Partner unter Vertrag.Sie müssen etwa 2,2 bis 3,7 Mill.DM in die Hand nehmen.So schreibt MCC ein einheitliches Outfit der Zentren vor.Wahrzeichen ist ein gläserner Turm, in dem die Smart-Modelle ausgestellt werden.Nach Angaben eines MCC-Sprechers haben sich bislang 18 000 Smart-Interessenten gemeldet.Rund 6000 hätten eine "unverbindliche Zusage" gemacht.

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