Wirtschaft : Großes Geld aus dem kalten Meer Rosneft und Exxon Mobil fördern gemeinsam Öl

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Mit Leck.
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Moskau - 500 Milliarden Dollar – das ist auch für russische Verhältnisse eine stolze Summe. So hoch soll der gesamtwirtschaftliche Nutzen sein, den die neue Zusammenarbeit des Staatskonzerns Rosneft mit dem weltgrößten Ölförderer Exxon Mobil bringt – das hat jedenfalls Igor Setschin ausgerechnet, der als Vizepremierminister für Energie zuständig ist. Großmeister des Geschäfts war aber ein anderer: Setschins enger Freund Wladimir Putin ließ sich die Vertragsunterzeichnung am Dienstagabend im Schwarzmeerkurort Sotschi nicht entgehen. „Es tun sich neue Horizonte auf“, frohlockte er.

Exxon Mobil übernimmt 33,3 Prozent der Anteile an einem Joint Venture, das die Ölfelder der russischen Kara-See im nördlichen Eismeer sowie im Schwarzen Meer erkunden und ausbeuten soll. Rosneft bekommt 66,7 Prozent. Allein die Erkundung schlägt mit mindestens 3,2 Milliarden Dollar zu Buche, für die Förderung werden wenigstens zehn Bohrinseln gebraucht. Maschinen und Anlagen sollen vor allem russische Firmen liefern. Im Gegenzug bekommt Rosneft Zugang zu Feldern von Exxon Mobil in Texas oder im Golf von Mexiko.

Rosneft sucht seit langem nach einem Partner zur Ölförderung in der russischen Arktis. Eine Vereinbarung mit der niederländisch-britischen BP war gescheitert. Für Exxon Mobil ist es bedeutend, nun Zugang zu russischen Gas- und Öllagern zu bekommen. Die Vereinbarung ist auch politisch wichtig – sie gilt als Beleg für einen Neustart der Beziehungen zwischen den USA und Russland. Womöglich macht das Abkommen auch einen Kompromiss möglich im Streit um die Bodenschätze, die in den Gewässern rund um den Nordpol vermutet werden. Russland versucht seit Jahren, seine 200-Meilen-Wirtschaftszone nach Norden auszudehnen, um sich die Vorkommen sichern zu können.

BP dagegen ist erneut ins Visier der russischen Justiz geraten. Landeschef Jeremy Huck verurteilte eine Razzia von Sicherheitskräften in der Moskauer Konzernzentrale als offenen Versuch, das Geschäft des Konzerns unter Druck zu setzen. Augenzeugen zufolge waren am Mittwoch etwa 15 schwarz gekleidete Sonderkräfte in die Büros eingerückt. Lediglich das oberste Management sowie Anwälte hätten sich in dem Gebäude aufhalten dürfen, hieß es in BP-Kreisen. Eine Begründung für die Razzia gab es nicht. Ein Anwalt von Minderheitsaktionären von BP-TNK, einem Unternehmen von BP in Russland, sagte, die Durchsuchungen stünden im Zusammenhang mit einer Klage gegen das geplatzte Expansionsvorhaben der Briten in Russland. Elke Windisch

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