Wirtschaft : Großfusion: Alcatel umwirbt Lucent Technologies

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Im Technologiebereich bahnt sich offenbar eine Großfusion an. Einem Bericht der "New York Times" zufolge will der französische Elektronikkonzern Alcatel das US-Unternehmen Lucent Technologies übernehmen. Die Fusion habe ein Volumen von gut 40 Milliarden Dollar. Lucent ist einer der weltweit führenden Netzwerkausrüster. Dem Bericht zufolge wird in der kommenden Woche entschieden, ob die Fusionsgespräche fortgesetzt werden.

In dem Bericht heißt es, die Gespräche befänden sich in einem "fortgeschrittenen Stadium". Alcatel wolle das mit hohen Verlusten kämpfende amerikanische Unternehmen fast ausschließlich mit Aktien finanzieren. Das Blatt beruft sich auf Spitzenmanager. Sollten sich die beiden Unternehmen handelseinig werden, sei mit einer entsprechenden Mitteilung Anfang Juni zu rechnen. Der abgebliche Kaufpreis liegt um 20 Prozent über Lucents derzeitigem Marktwert von 33,5 Milliarden Dollar. Lucent hoffe, dass es zum Zusammenschluss zweier gleichwertiger Unternehmen komme, doch in Wirklichkeit handle es sich um eine Übernahme durch Alcatel. Alcatel ist derzeit an der Börse 39,5 Milliarden Dollar wert.

Lucent Technologies ist ein Nachkomme des 132 Jahre alten Telekommunikations-Imperiums, das der Erfinder Alexander Grahem Bell aufgebaut hat. Bis zur Ausgliederung im Jahr 1996 gehörten Lucent und die Bell-Forschungskapazitäten zu AT & T. Mit Lucent will Alcatels Vorstandschef Serge Tchuruk offensichtlich die Präsenz in den USA ausbauen. Die USA sind der weltweit größte Markt für Telekomausrüstungen. Diese Branche dominieren zurzeit Lucents Rivalen Nortel Networks und Cisco Systems.

Bekanntlich will Lucent seine Glasfasersparte verkaufen, um die Schulden abzubauen, und hofft, mehr als fünf Milliarden Dollar dafür zu bekommen. Der geplante Verkauf hätte zu den Übernahmegesprächen geführt, berichtet die Times. Auch wenn die Übernahme nicht zu Stande komme, sei Alcatel weiter an Lucents Glasfasersparte interessiert. Der einzige Stolperstein, der die Übernahmegespräche zum Scheitern bringen könnte, sei die mögliche Ablehnung durch Lucents Verwaltungsrat aufgrund des niedrigen Aktienkurses, sagen die in der Times zitierten Quellen. Lucent schlossen am Donnerstag an der New York Stock Exchange auf 9,81 Dollar. Die Titel hatten im Jahr 2000 in der Spitze noch 77,78 Dollar gekostet. Eine weitere Hürde seien Sorgen der Vorstände beider Unternehmen, dass der Aktienkurs des zusammengeschlossenen Unternehmens fallen könnte. Denn US-Pensionskassen, die keine ausländischen Titel in ihren Portfolios haben dürfen, müssten Lucent nach der Übernahme verkaufen. Analysten sind ohnehin skeptisch, ob sich der Deal für die Franzosen lohnen würde. James Kelleher von Argus Research etwa ist überzeugt: "Alcatel würde mit Lucent eine Menge Kopfschmerzen erben."

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