Wirtschaft : Großfusion: Zusammenschluss in der europäischen Stahlindustrie

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In der europäischen Stahlindustrie bahnt sich eine Großfusion an: Die Stahlkonzerne Arbed, Aceralia und Usinor wollen sich zu einem der weltweit größten Unternehmen der Branche zusammenschließen. Wie die luxemburgische Arbed am Freitag in einer Pflichtmitteilung an der Frankfurter Börse ankündigte, befinden sich die drei Gruppen deswegen bereits "in fortgeschrittenen Verhandlungen". Arbed hatte mit der französischen Usinor-Gruppe und der spanischen Aceralia zunächst über eine Fusion der Edelstahl-Sparten verhandelt. Inzwischen hätten die Partner "das Gesprächsfeld" erweitert und peilten eine Zusammenführung sämtlicher Aktivitäten an, erklärte Arbed. Einzelheiten sollen am Montag mitgeteilt werden. Die Aktien aller drei Konzerne wurden am Freitag vom Handel ausgesetzt.

Durch den Zusammenschluss entsteht nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl in Düsseldorf der größte Rohstahlproduzent der Welt. Durch die Fusion würden die drei Partner die Weltmarktführer Pohang Iron and Steel Co. (Posco) aus Südkorea und die japanische Nippon Steel überrunden. Gemeinsam kämen sie auf eine Rohstahlproduktion von knapp 44 Millionen Tonnen, Nippon Steel erreicht derzeit 28 Millionen Tonnen. Der Zusammenschluss müßte von der EU-Wettbewerbskommission genehmigt werden.

Auch das Gefüge in Europa würde sich stark verändern: Die durch die Fusion von British Steel und Hoogovens entstandene Corus-Gruppe sowie Deutschlands größter Stahlproduzent, Thyssen-Krupp, produzieren jeweils weniger als halb so viel. Usinor und Arbed sind auch in Deutschland vertreten. Zu Usinor gehört Eko-Stahl, zu Arbed zählen die Bremer Stahlwerke und das Stahlwerk Thüringen. Zugleich sind die Luxemburger noch an Saarstahl beteiligt, mit der ein Zusammenschluss scheiterte.

Die neue Gruppe würde nach Branchenschätzungen zudem zum größten Edelstahlproduzenten der Welt avancieren und Thyssen-Krupp von Platz eins verdrängen. Der Konzern reagierte gelassen auf die Ankündigung der Wettbewerber. Man begrüße "jeden Beitrag zu einer weiteren Konsolidierung des europäischen Stahlmarktes", sagte ein Sprecher. Dies könnte zu einer besseren Abstimmung und Ausbalancierung des durch starke zyklischen Schwankungen gekennzeichneten Stahlgeschäftes führen. Nach einem Rekordjahr 2000 - die Produktion stieg weltweit um gut sieben Prozent auf 828 Millionen Tonnen - rechnet die Branche wegen der schwächeren US-Konjunktur für dieses Jahr mit einer Beruhigung.

Aus Wettbewerbssicht sei der Zusammenschluss nicht negativ zu beurteilen, hieß es bei der Wirtschaftsvereinigung Stahl. "Die bisherigen Fusionen in der Branche haben gezeigt, dass eins und eins nicht immer zwei ergibt. Von Zusammenschlüssen haben meist auch die übrigen Wettbewerber profitiert, weil Kunden abwanderten", sagte Sprecherin Beate Brüninghaus. Insgesamt sei der Konzentrationsgrad in der Branche noch relativ gering. Laut Brüninghaus sei "das Thema Fusionen in der Stahlindustrie noch lange nicht beendet".

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