Wirtschaft : Großhandel erwartet 2006 mehr Umsatz Branche rechnet mit

Beschäftigungszuwachs

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Berlin - Die Geschäftslage im deutschen Großhandel hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich gebessert. Die Branche beurteilt nicht nur ihre aktuelle Situation, sondern auch ihre Erwartungen so positiv wie seit Jahren nicht mehr. Das hat eine Umfrage des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) unter rund 1100 Mitgliedsfirmen ergeben. BGA-Präsident Anton Börner rechnet damit, dass in diesem Jahr der Branchenumsatz um 4,5 Prozent auf 641 Milliarden Euro wächst. „Der Stellenabbau im Großhandel ist endgültig gestoppt“, sagte er am Mittwoch in Berlin. Nachdem die Branche im vergangenen Jahr 5000 Arbeitsplätze abgebaut hat, rechnet Börner für 2006 mit einem leichten Beschäftigungszuwachs.

Die allgemeine wirtschaftliche Lage beurteilte Börner allerdings weniger optimistisch, auch wenn der BGA wegen der guten Exportaussichten seine Wachstumsprognose für die Gesamtwirtschaft 2006 auf 1,5 Prozent erhöhte. „Was hier bereits als Aufschwung bewertet wird, verdient eher den Namen Stolperkonjunktur“, sagte er. Es seien nur Einmaleffekte, die die Lage besser aussehen lassen als sie ist. Allein die Fußball-WM in diesem Jahr werde rund 0,3 Prozent zum Wirtschaftswachstum beitragen. Hinzu kämen vorgezogene Konsumgüterkäufe wegen der Mehrwertsteuererhöhung 2007 sowie vorgezogene Investitionen in Erwartung steigender Zinsen. „Ich befürchte, dass 2006 ein Jubeljahr wird und 2007 dann die große Ebbe kommt“, sagte Börner. Daher fordert der BGA die Bundesregierung auf, jetzt Strukturreformen anzupacken. Die Unternehmenssteuerreform auf 2008 zu verschieben, sei ein Fehler. Und auch auf dem Arbeitsmarkt müsse etwas geschehen. „69 Prozent unserer Unternehmen würden investieren und Stellen schaffen, wenn sie Arbeitsplätze flexibler der jeweiligen Wirtschaftslage anpassen können“, sagte Börner. Gut die Hälfte würde Mitarbeiter einstellen, wenn die Lohnnebenkosten stärker sinken.

Dennoch, in den Chefetagen der BGA- Mitgliedsfirmen müssen echte Optimisten sitzen: Rund 40 Prozent der Befragten glauben, dass Deutschland bei der Fußball-WM den Titel holt. dro

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