Großinvestoren versus Großbanken : Treuhänder im Visier der US-Justiz

Eine Gericht in New York klären, welche Pflichten ein Treuhänder hat. Mehrere Großinvestoren haben sechs Geldinstitute verklagt, darunter die Deutsche Bank.

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Krisenmanager. Den Deutsche-Bank-Chefs, Jain und Fitschen, droht neuer Ärger.
Krisenmanager. Den Deutsche-Bank-Chefs, Jain und Fitschen, droht neuer Ärger.Foto: picture alliance / dpa

Welche Pflichten hat ein Treuhänder, welche Verantwortung trägt er für die vom ihm verwahrten Papiere? Wegen dieser Frage müssen sich sechs Großbanken, darunter die Deutsche Bank, möglicherweise vor einem Gericht in New York verantworten. Bei der jetzt eingereichten Klage mehrerer Großinvestoren geht es um Verluste in Höhe von 250 Milliarden Dollar aus Geschäften mit Hypothekenpapieren in den USA, für die sie entschädigt werden wollen. Noch ist die Klage aber nicht angenommen. Die Großinvestoren sehen offenbar gute Chancen. „In diesen Fällen geht die Rolle des Treuhänders deutlich über das reine Verwahren von Papieren hinaus. Er muss auch prüfen, ob die Papiere werthaltig sind“, sagt ein Insider.

Über die Rolle der Treuhänder gibt es unterschiedliche Meinungen

Eine andere Einschätzung geht dahin, dass solche Treuhänder nicht mehr sind als eine Poststelle, die Papiere nur verwahrt. Eine Klage sei daher aussichtslos. Aus Bankenkreisen ist zu hören, in den USA gebe es neben einem Treuhänder, der nur verwalte, auch einen „Servicer“, der sich um die finanziellen Aspekte zu kümmern habe, also etwa darum, ob die Papiere und die Sicherheiten noch werthaltig sind. Bei jetzt eingereichten Klagen gebe es aber nur den reinen Treuhänder. Freilich, sagen wiederum Frankfurter Juristen, hänge es im Einzelfall von den vertraglichen Vereinbarungen ab.

Insgesamt geht es um Emissionen mit einem Volumen von rund zwei Billionen Dollar

Die Klage, unter anderem eingereicht von der DZ-Bank, dem Spitzeninstitut der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, sowie dem Deutsche-Bank-Großaktionär Blackrock und der Allianz-Tochter Pimco, richtet sich gegen sechs internationale Großbanken. Neben der Deutschen Bank sind dies die britische HSBC und vier US-Banken. Hintergrund sind mit Hypotheken besicherte Papiere, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben und von den Großbanken treuhänderisch verwaltet wurden. Insgesamt geht es um mehr als 2000 verschiedene Emissionen mit einem Volumen von etwa zwei Billionen Dollar. In diesen Papieren waren Immobilienkredite für US-Amerikaner gebündelt, die sich eigentlich die eigenen vier Wände gar nicht hätten leisten können. Diese „Subprime“-Kredite wurden in der Erwartung vergeben, dass die Immobilienpreise weiter steigen.

Die Klage gilt als letzte Chance, einen Ausgleich für die Verlusten zu erstreiten

Genau das Gegenteil passierte, so dass die Käufer ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten. Der Markt brach zusammen, die Finanzkrise nahm ihren Lauf, weil auch die Käufer der Hypothekenpapiere – unter anderem jene Großinvestoren, die jetzt klagen – in den Strudel gerissen wurden. Der Klage zufolge hätten die Treuhänder sehr wohl gewusst, dass die Kredite allzu leichtfertig und ohne entsprechende Sicherheiten vergeben worden waren. Darauf hätten sie aufmerksam machen müssen. Gegen die Emittenten der Papiere selbst kann offenbar nicht mehr geklagt werden, weil Ansprüche in der Regel nach sechs Jahren verjähren. Die Klage gegen Treuhänder gilt deshalb als letzte Chance, Ausgleich für die Verluste zu erstreiten. Großanleger wie die DZ-Bank, Pimco oder Blackrock müssen jede rechtliche Möglichkeit ausschöpfen, um im Interesse ihrer Geldgeber Ansprüche geltend zu machen. Ansonsten drohen ihnen selbst Klagen wegen Untreue.

Für ausstehende Klagen hat die Deutsche Bank 1,8 Milliarden Euro zurückgestellt

Bei der Deutschen Bank addiert sich die Klage zu den bereits bestehenden Rechtsrisiken, für die das Institut Ende März 1,8 Milliarden Euro zurückgestellt hat. Seit 2009 hat die Deutsche Bank rund 7,3 Milliarden Dollar für Strafen und Vergleiche im Zusammenhang mit der Finanzkrise oder mit Manipulationen etwa von Zinssätzen aufwenden müssen. Die Bank ist in rund 6000 Fällen angeklagt, 1000 davon mit einem Streitwert über 100 000 Euro.

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