Wirtschaft : Großschaden für Versicherer

Münchener Rück: Hurrikan „Katrina“ kostet Branche bis zu 20 Milliarden Dollar

Bernd Hops

Berlin - Der Hurrikan „Katrina“ hat in den USA Milliardenschäden verursacht. Als einziger Versicherer wagte die Münchener Rück am Dienstag bereits eine Prognose. Der weltweit größte Rückversicherer geht von versicherten Schäden zwischen 15 und 20 Milliarden US-Dollar (12,2 bis 16,3 Milliarden Euro) aus. Das Institut selbst werde davon voraussichtlich etwa 400 Millionen Euro schultern müssen, sagte ein Sprecher. Allerdings käme die Belastung nicht unerwartet und gefährde auch nicht die Ergebnisplanung des Unternehmens. Auf so etwas müsse ein Rückversicherer vorbereitet sein.

Andere Unternehmen wollen erst in den kommenden Tagen ihre Schadensschätzungen veröffentlichen. Eine Sprecherin der Hannover Rück sagte dem Tagesspiegel: „Spekulationen machen keinen Sinn.“ Auch die Schweizer Swiss Re will zunächst abwarten. Bei der Allianz hieß es wiederum, man habe noch keine Rückmeldung aus den USA. Schließlich dürften die zerstörten Gebiete bisher nicht betreten werden – auch nicht von den Schadensmanagern der Versicherer. Der Allianz-Sprecher sagte, der Konzern habe auf Grund der bisherigen Erfahrungen auch in diesem Jahr Vorsorge für Großschäden betrieben.

Der volkswirtschaftliche Schaden könnte nach ersten Schätzungen aus den USA bei 30 Milliarden Dollar liegen. Insgesamt stellen sich die Versicherer auf wachsende Schäden durch Naturkatastrophen ein. Grund ist der fortschreitende Klimawandel. Allein die Überschwemmungen in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz haben einen Versicherungsschaden von etwa einer Milliarde Euro verursacht. Die Allianz geht in einer gemeinsamen Studie mit der Naturschutzorganisation WWF davon aus, dass der potenzielle Schaden durch den Klimawandel um zwei bis vier Prozent pro Jahr wächst. Schon heute seien 35 bis 40 Prozent der Schäden im globalen Industrieversicherungsgeschäft der Allianz auf Naturkatastrophen zurückzuführen.

Beim Hurrikan „Katrina“ gab es vor allem Sorgen, die Ölindustrie im Süden der USA könnte dadurch massiv getroffen werden. Im Golf von Mexiko mussten eine Reihe von Ölplattformen evakuiert werden. Insgesamt werden in der Region normalerweise rund 1,5 Millionen Barrel pro Tag gefördert. Die Produktion kam weitgehend zum Erliegen. Außerdem liegen in dem Katastrophengebiet große Raffinierien und ein wichtiger Ölhafen. Über wochen- oder monatelange Ausfälle war spekuliert worden. Die Situation scheint aber nicht ganz so schlimm zu sein wie befürchtet. So konnte der Ölkonzern BP nach eigenen Angaben keinerlei Schäden an den Förderanlagen im Golf feststellen. Auch die neue Hauptplattform „Thunder Horse“, in die BP eine Milliarde Dollar investiert hatte, sei unversehrt geblieben. Andere Ölgesellschaften berichteten allerdings von abgetriebenen Bohrinseln.

An der New Yorker Warenterminbörse notierte Öl knapp über 70 Dollar. Am Montagmorgen hatte der Preis kurzzeitig das Rekordniveau von 70,80 Dollar erreicht.

Vertreter der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) betonten, die hohen Preise hätten nichts mit der tatsächlichen Marktlage zu tun. Ein Sprecher des Kartells sagte dem Tagesspiegel, voraussichtlich werde es im September einen Antrag geben, die Produktion der Mitglieder noch einmal um 500000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Dabei läuft die Produktion schon auf Hochtouren. Der Opec-Sprecher sagte, die angekündigte weitere Ausweitung der Förderkapazitäten werde kontinuierlich fortgesetzt. Allerdings müssten die Verbraucherländer in Raffinerien investieren. Das sei nicht Aufgabe der Opec. In den vergangenen Monaten war von Analysten immer wieder die hohe Auslastung der US-Raffinerien für Preissteigerungen an den Ölbörsen genannt worden.

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