Wirtschaft : Großstädter leben gefährlich

Studie: Überdurchschnittliches Risiko bei Naturkatastrophen, Terror und Krankheiten

Nicole Huss

München – Bewohner von großen Städten sterben im Schnitt früher als die übrige Bevölkerung. Besonders gefährlich sind Megastädte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern. Zu dem Ergebnis kommt der Versicherer Münchener Rück in einer Studie, die am Dienstag in München vorgestellt wurde. Mit weitem Abstand an der Spitze der am meisten gefährdeten Städte der Welt steht Tokio, das durch Erdbeben und Hurrikane bedroht wird. Danach folgen San Francisco, Los Angeles und Osaka. In Deutschland ist das Risiko von Stürmen und Überschwemmungen vergleichsweise gering. Am gefährlichsten leben die Menschen im Ruhrgebiet, im Rhein-Main-Gebiet und in Berlin.

„Megastädte sind allen klassischen Gefahren ausgesetzt, aber sie sind überproportional exponiert und angreifbar“, sagte Münchener-Rück-Vorstand Stefan Heyd. Dort konzentrierten sich Personen, Werte und Infrastruktur auf engstem Raum – bei sehr viel höheren Gefahren durch Naturkatastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, Stürme und Überschwemmungen, aber auch Industrieunfälle, Terror und Epidemien. Zudem führe die hohe Luftbelastung durch Ozon und Staubpartikel zu weitaus mehr Todesfällen. „In der ungewöhnlichen Hitzeperiode des europäischen Sommers 2003 starben in den Großstädten viel mehr Menschen, als es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entsprochen hätte, obwohl dort die medizinische Versorgung oft besser ist“, sagte Peter Höppe, der Leiter der Georisikoforschung der Münchener Rück.

Wegen der rasanten Verstädterung weltweit kämen immer komplexere Risiken auf die Versicherungswirtschaft zu, sagte Heyd und forderte mehr Risikobewusstsein. Während 1950 rund 30 Prozent der Weltbevölkerung in Städten lebten, sind es heute 50 Prozent. Derzeit gibt es weltweit 22 Städte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern – allen voran Tokio mit 35 Millionen, New York mit 21 Millionen und Seoul mit gut 20 Millionen Einwohnern. Zur Einschätzung der Gefährdung hat der Versicherer einen eigenen Index entwickelt.

Die Flutwelle in Südostasien belaste die Versicherer zwar nur gering, weil in den betroffenen Gebieten wenig Werte versichert waren. Heyd sagte, eine Belastung zwischen 50 und 100 Millionen Euro für die Münchener Rück sei realistisch. Allerdings verwies er auch auf die Erdbebenkatastrophe in der japanischen Millionenstadt Kobe. Durch ein Erdbeben wurde dort 1995 ein volkswirtschaftlicher Schaden von mehr als 100 Milliarden Dollar verursacht – laut Münchener Rück war dies die bisher teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten. Würde heute ein schweres Erdbeben Tokio oder San Francisco treffen, würde das den Rückversicherer allein jeweils 2,5 bis drei Milliarden Euro kosten.

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