Wirtschaft : Großunternehmen bauen massiv Stellen ab Das Wirtschaftswachstum ist noch zu schwach für neue Jobs

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Berlin (brö/hej). Die Unternehmen bauen weiter Personal ab. 22000 Stellen will die Deutsche Telekom in Deutschland streichen, Siemens kündigt weitere Rationalisierungen an, und Bayer (siehe Bericht Seite 19) wird als Folge der Lipobay-Krise zusätzlich zu den ohnehin geplanten Kürzungen weitere 1300, davon 250 Jobs in Deutschland, einsparen.

Abbau statt Aufbau ist weiter die Devise auf dem Arbeitsmarkt. Glaubt man den Experten, wird auch die leichte konjunkturelle Erholung daran vorerst nichts ändern. Der Grund: Im ersten Quartal sei die Wirtschaft vor allem deshalb gewachsen, weil wenig nach Deutschland importiert worden sei, sagt Wolfgang Scheremet vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Die Erholung habe das verarbeitende Gewerbe noch nicht erreicht.

Zudem sei das Wachstum derzeit noch zu schwach, um für neue Beschäftigung zu sorgen. Dafür müsse die Wirtschaft um mindestens zwei Prozent zulegen, sagte Scheremet. Sinkende Arbeitslosenzahlen könne man sogar erst ab 2,5 Prozent erwarten. Erst werde die „stille Reserve“ von Arbeitssuchenden, die sich nicht arbeitslos gemeldet haben, abgeschmolzen. Sollte sich das Wirtschaftswachstum beschleunigen, dürfte als erstes der Grundstoffsektor wie die Stahlindustrie davon profitieren, glaubt der Gewerkschafts-Experte, gefolgt von der Investitionsgüterindustrie wie dem Maschinenbau.

Keine negativen Auswirkungen erwartet der DGB dagegen von dem jüngsten Tarifabschluss in der Metallindustrie. Die vereinbarten Lohnsteigerungen lägen unter dem Produktivitätswachstum. Problematischer sei dagegen die jüngste Aufwertung des Euro, der in den vergangenen Wochen stark an Wert gewonnen hat und die deutschen Ausfuhren verteuert.

Anders als die Gewerkschaften halten Ökonomen den Tarifabschluss für gefährlich. „Die hohen Lohnsteigerungen werden den Rationalisierungsdruck noch verschärfen“, erwartet Thomas Straubhaar, Präsident des HWWA-Instituts in Hamburg. „Folgen andere Branchen der Metallindustrie, kann es zu weiterem Arbeitsplatzabbau kommen“, warnt er. Auch Horst Siebert, Wirtschaftsweiser und Chef des Institut für Weltwirtschaft in Kiel, sieht Gefahr durch die Abschlüsse. „In den vergangenen zehn Jahren haben größere Industrieunternehmen in Westdeutschland mehr als 1,6 MillionenStellen abgebaut. Dieser Trend wird sich nun fortsetzen“, sagte er.

Stellenabbau sei zudem typisch für das Ende einer Krise, erklärte HWWA-Ökonom Straubhaar. „Große Firmen haben jetzt die letzte Chance, sich für den Aufschwung und den schärfer werdenden Wettbewerb fit zu machen. Alle ungenutzten Ressourcen, die es noch gibt, werden jetzt abgebaut.“

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