Groupon, Dailydeal & Co. : Nichts zu verschenken

Gutscheinportale im Internet versprechen hohe Rabatte. Doch nicht jedes Schnäppchen ist auch eines.

von
Deal! Couponportale machen sich das Prinzip des Mengenrabatts zu eigen. Die Preise für Reisen, Elektrogeräte oder Wellness-Anwendungen werden so kalkuliert, dass sie eine kritische Masse an Abnehmern brauchen, damit sie sich rechnen. Findet das Angebot nicht den erhofften Anklang, wird es verlängert – oder gestoppt.
Deal! Couponportale machen sich das Prinzip des Mengenrabatts zu eigen. Die Preise für Reisen, Elektrogeräte oder...Foto: dpa

Schön sauber sollte das Auto werden. Da kam Jörg das Angebot auf Groupon gerade recht. Eine Komplettreinigung von innen und außen versprach eine Waschanlage. Und statt der sonst üblichen gut 100 Euro sollte die Dienstleistung nur die Hälfte kosten. Sensationell. Offenbar zu sensationell. Denn als Jörg den Gutschein wenig später einlösen wollte, war der Anbieter nicht zu erreichen – weder telefonisch noch per Mail. Nach langem Hin und Her in der kostenpflichtigen Hotline-Schleife von Groupon bekam er schließlich das bereits gezahlte Geld gutgeschrieben.

Geschichten wie die von Jörg sind nicht typisch für Kundenerfahrungen bei Schnäppchenportalen, aber sie kommen vor. Mal ist der Rabatt gar nicht so hoch wie angegeben, mal kann ein Gutschein-Anbieter die vereinbarte Ware nicht oder nicht zum vereinbarten Termin liefern. Dennoch: „Beschwerden über Plattformen wie Groupon oder Dailydeal haben wir kaum“, sagt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Berlin-Brandenburg. Sie führt das unter anderem auf die relativ junge Zielgruppe der Portale zurück. Die Schnäppchenjäger ordern hier ein Frühstück für den halben Preis, dort eine Massage für ein Drittel und da einen Kurztrip nach Hamburg für einen Bruchteil des angeblichen Originalpreises. Stellt sich eines der Schnäppchen eher als Mogelpackung heraus, gehen die Kunden gerne mal darüber hinweg – im Gefühl mit den übrigen Gutscheinen bereits viel Geld gespart zu haben.

Etwa ein Dutzend Schnäppchenportale teilen den deutschen Markt unter sich auf, Groupon und Dailydeal sind die bekanntesten. Alleine deshalb können sie sich schlechte Kritiken kaum leisten und bemühen sich wie im Fall von Jörg immerhin um Kulanz. Denn an sich hätte der sich nicht an das Portal, sondern an den Anbieter wenden müssen. „Die Gutscheinportale treten lediglich als Vermittler in Erscheinung“, erläutert Verbraucherschützerin Fischer-Volk. Das bedeutet, sie haften nicht für die Fehler desjenigen, der seine Ware oder Dienstleistung über das Portal anpreist. Dennoch betonen die Portale, dass sie ihrerseits prüfen, ob die gemachten Offerten plausibel und marktüblich sind.

Das Geschäftsmodell der Portale ist simpel. Sie akquirieren Unternehmen in ganz Deutschland, planen gemeinsam Aktionen, die Kunden hohe Rabatte für ausgewählte Produkte in einem begrenzten Zeitraum versprechen: Von den Umsätzen, die die Partner erzielen, kassieren die Portalbetreiber eine Provision. Branchenkennern zufolge liegen diese zwischen 30 und 50 Prozent. Für die Anbieter bleibt so finanziell kaum etwas übrig. Sie setzen ohnehin eher auf den Werbeeffekt, hoffen, dass Kunden wiederkommen oder beim Einlösen des Gutscheins noch ein paar andere nicht rabattierte Produkte mitnehmen.

Dass es sich in den meisten Fällen um Werbung handelt, sollten auch die Schnäppchenjäger wissen, die auf der Suche nach dem ultimativen Angebot sind. „Die Nachlässe auf diesen Plattformen sind manchmal schöngerechnet“, sagt Kerstin Backofen von der Stiftung Warentest. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass zwar die angepriesene Hotelübernachtung gemessen am Preis für die Hauptsaison tatsächlich um 82 Prozent reduziert ist, der Gutschein aber nur für die deutlich günstigere Nebensaison gilt. Oder der Mobilfunkvertrag ist tatsächlich in den ersten drei Monaten 60 Prozent günstiger – läuft aber über 24 Monate. Rechtlich ist dagegen nichts einzuwenden. „Der Verbraucher muss sich eben bewusst machen, dass es in der überwiegenden Mehrheit Lockangebote sind“, sagt Fischer-Volk. „Die Anbieter haben nichts zu verschenken.“

Die Stiftung Warentest empfiehlt ebenfalls, den Angaben auf den Portalen nicht blindlings zu vertrauen. „Ich kann nur empfehlen, mit dem Anbieter des Gutscheins in Kontakt zu treten oder einen Preisvergleich über das Internet zu starten“, sagt Verbraucher-Expertin Backofen. Häufig stelle sich dann heraus, dass beispielsweise das Hotel lohnenswertere Spezialangebote offeriere oder dass es das gewünschte Produkt anderswo ähnlich günstig gebe. „Manchmal wird deutlich, dass das angebliche Schnäppchen gar keines ist.“

Bei Reisen und medizinischen Anwendungen raten Verbraucherschützer grundsätzlich zur Vorsicht. „Die angebotenen Reisen sind in der Regel keine Komplettangebote“, erläutert Fischer-Volk. Anders als bei Pauschalreisen müssen Urlauber deshalb mit zusätzlichen Kosten rechnen. Um möglichen Problemen während der Reise vorzubeugen, sei es zudem wichtig, den genauen Vertragspartner zu ermitteln. Nicht nur ärgerlich und teuer, sondern sogar gefährlich kann es bei medizinischen Angeboten werden. Eine Brustvergrößerung für kleines Geld, Fettabsaugen zum Magerpreis – nicht nur Ärzteverbände raten ab. Dailydeal hat nach eigenen Angaben Gutscheine für invasive Eingriffe seit diesem Frühjahr von der Plattform verbannt. Die wirtschaftseigene Wettbewerbszentrale mahnt Billigmediziner unter Hinweis auf die Gebührenordnung ab. Und wenn beim Eingriff etwas schiefläuft, nützt dem Verbraucher das 14-tägige Widerrufsrecht nichts mehr.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben