Wirtschaft : Grün auf der Schiene

Im Rahmen eines Forschungsprojekts entwickelt die Bahn Züge ohne CO2-Ausstoß

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Berlin - Früher schleppten Dampfloks ihren Treibstoff immer mit sich herum. In großen, schwarzen Tendern stapelten sich die Kohlen, die der Heizer in den Brenner schaufeln musste. Strom aus der Oberleitung gab es kaum, Diesel ebenso wenig. Dann kam die moderne Zeit. Heute kennen Tender nur noch Eisenbahnromantiker.

Bald könnte der Tender zurückkehren – mit Batterien bestückt statt mit Kohle. Denn teure Oberleitungen gibt es nicht überall und Diesel gilt als Klimakiller. Ein entsprechendes Forschungsprojekt der Deutschen Bahn und der Industrie nimmt nun Fahrt auf. Das Ziel: Strecken bis 100 Kilometer sollen Güterzüge bald zurücklegen können – mit Strom aus dem Hänger. Das Tender-Projekt ist nur eines von rund 50 Vorhaben, das die Bahn umweltfreundlicher machen soll. Die Entwicklung findet statt im Rahmen einer neuen Kooperation namens Eco Rail Innovation. 14 Unternehmen, Verbände und Hochschulen haben sich zusammengetan, um die Bahn grüner zu machen – darunter die großen Hersteller Siemens, Bombardier und Alstom, aber auch der Solarhersteller Solon oder die Fachhochschule Brandenburg. „Wir bündeln unsere Kräfte“, sagte Bahn-Technikvorstand Volker Kefer am Mittwoch auf der Messe Innotrans in Berlin. Zentrum der Zusammenarbeit soll Brandenburg an der Havel sein. „Mittelfristig führt das bei uns sicherlich auch zu neuen Arbeitsplätzen“, sagte die Oberbürgermeisterin der Stadt, Dietlind Tiemann (CDU).

Hintergrund ist das Ziel der Bahn, ab 2050 im Zugverkehr kein Kohlendioxid mehr zu produzieren. Denn Energie wird tendenziell teurer. Während die Autohersteller an Elektroantrieben arbeiten, gelten die Bahn-Firmen als forschungsschwach – Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte erst am Dienstag bemängelt, dass sie wesentlich weniger in neue Technik investiere als etwa die Autoindustrie. Effizientere Züge, Antriebe und Batterietechnik soll die neue Initiative nun bis zur Marktreife entwickeln. Ein Ansatz neben der Tender-Elektrolok ist etwa, die Abwärme im Abgas von Dieselloks und Bussen zu nutzen oder Dieselhybridzüge für den Einsatz im Nahverkehr zu entwickeln. Auch die Regierung ist mit von der Partie. Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) hat die Schirmherrschaft übernommen, Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) subventioniert die Forschung teilweise. „Angesichts zunehmender weltweiter Konkurrenz muss die deutsche Industrie einfach besser sein“, gab Bahnindustrie-Präsident Klaus Baur als Ziel aus. Carsten Brönstrup

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