Wirtschaft : Gründer bringen Berlin nach vorne

Eine Studie zeigt: Den Firmen der Stadt geht es gut.

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Berlin - Es sind gute Nachrichten für Berlin: Müssten die Mittelständler ihrer aktuellen Geschäftslage eine Schulnote geben, wäre es in 58 Prozent der Fälle ein „Gut“ oder sogar ein „Sehr gut“. Das hat eine gemeinsame Studie der Investitionsbank Berlin (IBB) und der Wirtschaftsauskunftei Creditreform ergeben, die am Mittwoch vorgestellt worden ist. Nur vier Prozent der Firmen sagten, ihre Lage sei „mangelhaft“ oder „ungenügend“.

„Die positiven Bewertungen der hiesigen Betriebe liegen im bundesweiten Trend“, sagte Jochen Wolfram von Creditreform. Die gute Stimmung ziehe sich durch alle Wirtschaftszweige. Besonders gut geht es der Umfrage zufolge den Berliner Bauunternehmern, die viel zu tun haben. Weil die Zinsen niedrig sind, legen viele Deutsche ihr Geld in Immobilien an. „Hinzu kommt, dass gerade hier in Berlin die Nachfrage nach Wohnungen immer noch weiter ansteigt“, sagte Wolfram. So wurden in der Stadt im vergangenen Jahr elf Prozent mehr Bauvorhaben genehmigt als noch 2010. Auch profitiere die Bauindustrie davon, dass viele Haus- und Wohnungsbesitzer energiesparende Umbauten vornehmen ließen. Insgesamt sind 2011 im Bau 2,1 Milliarden Euro umgesetzt worden, 14 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Dank der guten  Auftragslage steigerten 66 Prozent der Bauunternehmer ihre Umsätze.

Dass es den Berliner Unternehmen trotz Schuldenkrise merklich besser geht, spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider. Vierzig Prozent der Firmen gaben an, ihren Personalbestand aufgestockt zu haben. Profitiert hat Berlin dabei vor allem von den zahlreichen Neugründungen. Über die Hälfte der Unternehmen, die weniger als zwei Jahre alt sind, hat neues Personal eingestellt. So betonte IBB-Vorstandschef Ulrich Kissing dann am Mittwoch auch die hohe Bedeutung der Gründerszene für die Stadt. „Wir können nicht darauf hoffen, dass große Unternehmen nach Berlin ziehen“, sagte er. „Die Dynamik muss von den Gründern kommen.“ Besonders wichtig sei es deshalb auch, dass Jungunternehmern gute Finanzierungsbedingungen geboten würden. Wie die Studie belegt, spielen Kredite für Gründer eine wichtigere Rolle bei der Finanzierung, als das bei älteren Firmen der Fall ist, die sich häufig zu einem Großteil aus laufenden Einnahmen und Gewinnen finanzieren.

Das Problem: „Meistens bringen Gründer wenig Eigenkapital und Sicherheiten mit“, sagte Kissing. Dadurch tun sie sich schwerer, an einen Kredit zu kommen. „Umso erfreulicher ist es, dass ein Großteil der Berliner Gründer die Finanzierungsbedingungen mindestens als ausreichend beurteilt“, sagte Kissing. Offenbar würden die Finanzierungsnachteile junger Unternehmen zumindest teilweise durch öffentliche Förderangebote ausgeglichen. Hinzu käme, dass Berlin mittlerweile auch zunehmend Investoren anziehe. So ist mit Early Bird etwa erst kürzlich einer der größten deutschen Risikokapitalgeber in die Hauptstadt gezogen.

Auch wenn es ihnen derzeit gut geht, schauen die Mittelständler verhalten in die Zukunft. So rechnen weniger Firmen mit steigenden Umsätzen als noch vor einem Jahr. „Unsicherheit herrscht vor allem angesichts der fiskalischen Konsolidierung im Euro-Raum sowie der Schwankungen des Ölpreises“, sagte Wolfram von Creditreform. Carla Neuhaus

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