Wirtschaft : Gründer lernen das Einmaleins der Finanzierung

Privates Startkapital ist knapp geworden

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Geld spielte für Existenzgründer lange keine Rolle. Ein knapper Businessplan für eine Geschäftsidee in der Internet-, Medien- oder Telekombranche reichte vor zwei bis drei Jahren noch aus, um Banker und Geldgeber zu begeistern. An der Börse erfüllte sich für viele Jungunternehmer dann ein Traum: Kapital stand in Hülle und Fülle zur Verfügung. Doch das ist Vergangenheit. Gründer müssen das Einmaleins der Finanzierung neu lernen.

Eigenkapital: Je mehr eigenes Startkapital Gründer heute mitbringen, desto besser. Ein eigenes Finanzpolster erleichtert die Verhandlungen mit Kreditgebern. Die wenigsten Jungunternehmer haben allerdings schon genug zur Seite gelegt, um ein Unternehmen solide selbst finanzieren zu können. Deshalb sammeln sie häufig Geld bei Freunden und Verwandten. Diese Friends&Familiy-Finanzierung birgt freilich gewisse Risiken. Gerät die Firma in die Schieflage und können die privaten Kapitalgeber nicht nachlegen, steht das Projekt vor dem Aus. Wer öffentliche Fördergelder in Anspruch nehmen will, muss in der Regel einen Eigenkapitalanteil von 15 Prozent nachweisen.

Beteiligungskapital: Wer selbst nicht genug Kapital und auch keine reiche Verwandtschaft hat, der kann Geschäftspartner oder Beteiligungsfirmen mit ins Boot holen, die den Eigenkapitalanteil am Unternehmen erhöhen. Kapitalbeteiligungsfirmen gehen meist stille Beteiligungen ab 50000 Euro ein. So genannte Private-Equity-Fonds, die privates Anlagekapital sammeln und auf junge Unternehmen verteilen, sind eine Spielart dieser Beteiligungsform. Sie engagieren sich aber vor allem in der Expansionsphase.

Risikokapital: Der Markt für Venture-Capital (VC) für Existenzgründer aus der Technologiebranche ist nach den Kursstürzen an der Börse nahezu ausgetrocknet. Aktuellen Umfragen bei den größten deutschen Risikokapitalgebern zufolge erreichte das gesamte Beteiligungsvolumen im zweiten Quartal 2002 zwar noch 250,4 Millionen Euro (plus zwölf Prozent), die sich auf 92 Beteiligungen verteilten. Für neue Unternehmen bleibt die Mittelbeschaffung dennoch schwierig, denn der Anteil der Erstinvestments lag nur bei 22 Prozent der Gesamtsumme. Attraktivste Branche für die VCs blieb die Biotechnologie, in die 100 Millionen Euro flossen, gefolgt von Software-Firmen.

Börsen: VCs investieren nur, wenn sie sich berechtigte Hoffnungen machen können, irgendwann mit einer guten Rendite wieder aussteigen zu können. Der Königsweg dafür ist die Börse. So wenig dieser Weg den Risikofinanzierern derzeit offen steht, so wenig können Jungunternehmer auf das Startgeld vom Kapitalmarkt setzen. Die anhaltende Schwäche der Finanzmärkte macht Börsengänge zu einem hochriskanten Unterfangen, auf das sich die Investmentbanken nicht mehr einlassen. Sie versprechen sich mehr von den IPOs (Initial Public Offering) großer, solider Firmen.

Business Angels: Ihre Starthilfe erschöpft sich nicht in der finanziellen Unterstützung von Start-ups. Meist handelt es sich bei Business Angels um ältere, wohlhabende Ex-Unternehmer, die den neuen Unternehmern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Meistens ist dabei auch Geld im Spiel. Mit ihren Anfangsinvestitionen schließen die erfahrenen Manager meist eine Lücke, die VC-Firmen und die Banken lassen. Denn die vergleichsweise niedrigen Startgelder sind den Beteiligungsgesellschaften oft zu klein, und die Banken scheuen das Risiko, Kredite in der allerersten Phase einer Gründung zu vergeben.

Fördergeld: Der Staat greift Existenzgründern mit einer Vielzahl von Programmen unter die Arme. Angesichts der versiegenden privaten Geldquellen ist die Förderung wieder en vogue. Das Angebot reicht von der Eigenkapitalhilfe der Deutschen Ausgleichsbank bis zur Ausfallbürgschaft der Bürgschaftsbanken in den einzelnen Bundesländern. Gründer können sich auf der Homepage des Bundeswirtschaftsministeriums unter www.bmwi.de (Stichwort Existenzgründer) einen Überblick verschaffen. mot

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