Wirtschaft : Gründer übernimmt Google-Spitze

Larry Page löst den Manager Eric Schmidt ab

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Neu aufgestellt. Eric Schmidt steigt aus der operativen Führung aus, Larry Page setzt sich ans Steuer, und Sergey Brin bleibt im Hintergrund. Foto: dpa
Neu aufgestellt. Eric Schmidt steigt aus der operativen Führung aus, Larry Page setzt sich ans Steuer, und Sergey Brin bleibt im...Foto: dpa

Berlin - Tolle Ideen zu haben, vielleicht sogar ein Genie zu sein und ein Unternehmen erfolgreich zu führen – das sind zwei ganz unterschiedliche Dinge. Larry Page und Sergey Brin waren schlau genug das einzusehen, als sich andere junge Internetgründer noch für unschlagbar hielten. Nun fühlt sich jedoch einer der beiden Google-Gründer reif genug, die Geschäftsführung selbst in die Hand zu nehmen. Am 4. April wird der dann 38-jährige Larry Page den 18 Jahre älteren Vorstandschef Eric Schmidt ablösen.

„Inzwischen ist die tägliche Aufsicht eines Erwachsenen nicht mehr notwendig“, kommentierte Schmidt über Twitter seine Ablösung nach zehn Jahren. Er spielte damit auf die Gründungsgeschichte von Google an. Page und Brin hatten als Studenten an der Uni Stanford die neue Suchmaschine entwickelt und 1998 ein Unternehmen gegründet. Page leitete die Firma bis 2001 – als sie ihm zu groß wurde. Er fühlte sich in der Rolle des Technikers wohler. Also heuerten Page und Brin den erfahrenen Manager Schmidt als Konzernchef an. Er brachte das Unternehmen 2004 erfolgreich an die Börse.

Page wird von Kennern als der von Ideen angetriebene Motor von Google beschrieben. Als ungeduldig. Als hoch konzentriert. Reibereien mit dem zweiten Gründer Brin werden nicht erwartet. Beobachter vermuten, dass Brin gar keine Lust habe, so sehr im Rampenlicht zu stehen. Beide Gründer erhalten bei Google nur einen Dollar Jahresgehalt, verfügen jedoch jeweils über etwa 29 Prozent der Stimmrechte bei Google. Inzwischen ist der Börsenwert des Internetkonzerns auf mehr als 200 Milliarden Dollar gestiegen – und Brin und Page nehmen auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt gemeinsam Platz 24 ein.

Schmidt leitete das Tagesgeschäft, doch wichtige Entscheidungen trafen die drei zusammen. Google ist längst mehr als eine Suchmaschine und versucht in immer mehr Bereiche vorzudringen – vor allem ins mobile Internet. Mit dem neuen Betriebssystem Android konkurriert Google direkt mit Apple und Microsoft. Bei Apple steht mit Steve Jobs eine charismatische Führungspersönlichkeit an der Spitze. Beim sozialen Netzwerk Facebook sagt der 26-jährige Gründer Mark Zuckerberg, wo es langgeht. Bei Google übernimmt das jetzt Page. „Schmidt war der Prinzregent, der solange regiert, bis der junge König den Thron einnehmen kann“, meinte der US-Journalismus-Professor und Google-Experte Jeff Jarvis. „Wir wussten, dass dies passieren wird. Wir hatten es nur vergessen.“

Für Schmidt, der Google weiter berät, hat sich der Einsatz gelohnt. Er kündigte an, Google-Aktien im Wert von rund 335 Millionen Dollar zu verkaufen – dies ist nur ein Teil seiner gesamten Firmenanteile. Auch die jüngsten Zahlen von Google sind – wieder einmal – erstaunlich gut: Im Schlussquartal 2010 stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 26 Prozent auf 8,4 Milliarden Dollar. Das Unternehmen verdiente unterm Strich 2,5 Milliarden Dollar und damit 29 Prozent mehr. Corinna Visser

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