Wirtschaft : Gründer verlässt Solar Millennium

Aufsichtsrat Hannes Kuhn tritt im Streit zurück

Düsseldorf - Keine Fotos, selten Interviews, kaum öffentliche Auftritte: Hannes Kuhn blieb lieber im Hintergrund und zog beim kriselnden Solarkraftwerkbauer Solar Millennium die Strippen. Diejenigen, die ihn erlebt haben, beschreiben ihn als „mittelgroß, schlank und durchaus smart“, als Kämpfernatur.

Einen Kampf gibt Kuhn jetzt auf: Der 47-Jährige hat den Aufsichtsrat von Solar Millennium verlassen. Er begründet seinen Schritt mit einer „medialen Hetzjagd“ gegen ihn und seine Familie, die in England ein Pferdegestüt betreibt. Die gegen ihn in den vergangenen Monaten erhobenen Vorwürfe seien „haltlos und unbegründet“.

Tatsächlich ist der Druck auf Kuhn zuletzt massiv gestiegen: Die Finanzaufsicht Bafin ermittelt wegen Insidergeschäften, Ex-Vorstandschef Utz Claassen hat ihn wegen Prozessbetrugs und Urkundenfälschung angezeigt. Und die Staatsanwaltschaft Düsseldorf prüft Betrugsvorwürfe. Wer Kuhn im Aufsichtsrat ersetzen wird, ist nach Firmenangaben offen.

Der Rücktritt des Mitgründers könnte die Schlichtungsgespräche mit Claassen über Millionenprämien vereinfachen. „Jetzt ist es leichter möglich, zu einer vernünftigen, rationalen Lösung zu kommen“, sagte Claassens Anwalt Axel Johnen. Claassen hatte bereits nach 74 Tagen sein Amt niedergelegt, die Rückzahlung einer Antrittsprämie von 9,2 Millionen Euro aber abgelehnt. Inzwischen verbesserte sich das Verhältnis zwischen dem Manager und Solar Millennium wieder: Bei einem Gütetermin vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth hatte Claassen Anfang September überraschend erneuten Verhandlungen zugestimmt. Zuvor hatte sich der Aufsichtsratsvorsitzende von Solar Millennium, Helmut Pflaumer, bei Claassen für mögliche verletzende Äußerungen entschuldigt. HB/dpa

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