Wirtschaft : Gründerfamilie zieht sich aus der Weberbank zurück

Berlin - Der Berliner Weberbank kommt ein Stück Tradition abhanden. Vorstandsmitglied Andreas Bödecker verlässt die Bank zum Jahresende – auf eigenen Wunsch, wie das Institut mitteilte. Der 49-jährige Bödecker ist der Enkel des Firmengründers Hans Weber und Sohn des langjährigen Inhabers Ehrhardt Bödecker.

Andreas Bödecker war der Bank seit Kindestagen eng verbunden und arbeitete insgesamt 25 Jahre dort. Von 1994 bis 2005 war er persönlich haftender Gesellschafter der Bank, bevor sie an die Düsseldorfer WestLB verkauft wurde. Über die Gründe für seinen Rückzug schweigt sich die Bank aus.

Bödecker ist im laufenden Jahr bereits das zweite Vorstandsmitglied, das die Weberbank verlässt. Zum 31. September war Bankchef Guido Mundt nach nur zweijähriger Amtszeit zurück zur WestLB gewechselt. Für ihn sollte eigentlich Harald Christ zum 1. Oktober den Vorstandsvorsitz übernehmen. Die Finanzaufsicht Bafin hatte dessen direkten Wechsel vom Hamburger Finanzdienstleister HCI Capital auf den Chefsessel der Weberbank aber gestoppt: Christ sei im Kreditgeschäft zu unerfahren. Nun muss der 35-Jährige als Generalbevollmächtigter der Weberbank nachsitzen und warten bis die Bafin ihn auf den Chefposten lässt. Solange hat Michael Graf Strasoldo den Vorstandsvorsitz übernommen. Er ist nach dem Abgang von Bödecker der letzte Verbliebene der ursprünglichen Managerriege aus der Zeit vor dem Verkauf der Bank an die WestLB.

Die Weberbank war 1949 von Hans Weber als Privatbank gegründet worden. 1994 fusionierte die auf vermögende Privatkunden spezialisierte Bank mit der Berliner Industriebank und wurde Teil der Bankgesellschaft Berlin, heute Landesbank Berlin. Mit ihr geriet sie 2001 in den Berliner Bankenskandal. Auf Druck der EU-Kommission musste die Bankgesellschaft die Weberbank 2005 verkaufen. Die WestLB erhielt den Zuschlag. stek

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