Gründerinnen-Frühstück im Betahaus : Wie Frauen Firmen- und Familiengründung verbinden

Es war das zweite Gründerinnen-Frühstück zu dem Wirtschaftsstaatssekretärin Brigitte Zypries ins Betahaus lud. Das Thema diesmal: Die Vereinbarkeit von Unternehmensführung und Familie.

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Unter Frauen. Zum Gründerinnen-Frühstück lud Brigitte Zypries junge Unternehmerinnen und - als einzigen Mann - Ralf Kleindieck, Staatssekretär im Familienministerium, ins Betahaus.
Unter Frauen. Zum Gründerinnen-Frühstück lud Brigitte Zypries junge Unternehmerinnen und - als einzigen Mann - Ralf Kleindieck,...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Reisen bildet. Im Juni begleitete Wirtschaftsstaatssekretärin Brigitte Zypries eine Gruppe deutscher Gründer ins Silicon Valley, um den jungen Unternehmern dort Türen zu öffnen und Kontakte zu knüpfen. Seither kann sie vergleichen: „Berlin hat doch eine sehr lebendige Start-up-Szene“, findet die SPD-Politikerin. Das Valley solle man nicht überbewerten, meint sie und stellt fest: „Die Frauenquote ist dort auch nicht viel höher als hier.“ Da ist sie beim Thema, denn das soll sich ändern: Mehr Frauen in Berlin und Deutschland sollen Unternehmerinnen werden.

Die etwa 30 Frauen, die an diesem Morgen zum Gründerinnen-Frühstück ins Betahaus gekommen sind, haben den Schritt schon hinter sich. Nun diskutieren sie darüber, wie man Firmen- und Familiengründung besser vereinbaren kann.

Arbeit anders organisieren, Frauen anders ansprechen

Franziska Müller von der Ahé und Julia Sommerer haben zusammen die Online-Kommunikationsagentur Glutamat gegründet – und beide im vergangenen Jahr ein Kind bekommen. Dennoch haben sie den Gewinn des Unternehmens mit inzwischen fast 30 Mitarbeitern verdoppelt, den Umsatz auf mehr als eine Million Euro gesteigert. „Das Umdenken und Umorganisieren war auch gut für die Firma“, berichtet Franziska. Das Erfolgsrezept der Beiden besteht vor allem darin, flexibel zu sein und in dem Wissen, dass jeder ersetzbar ist. Darum werden die Rollen im Unternehmen mehrfach besetzt, so werde es auch nie langweilig.

Teresa Bücker wiederum stellt Edition F vor, die erste Business-Lifestyle-Plattform für Frauen, die seit zehn Wochen online ist. Bald soll Edition F auch eine Jobbörse bekommen. „Frauen reagieren auf Stellenanzeigen ganz anders als Männer“, berichtet Bücker. „Wir wollen Unternehmen zeigen, wie sie Frauen besser ansprechen können.“

Die Kinderbetreuung bleibt ein Problem

Das müssen wohl auch die Berufsberater in den Ämtern noch lernen. Ralf Kleindiek, Staatssekretär im Familienministerium und einziger Mann beim Frühstück, berichtet von der der 16-jährigen Tochter von Freunden: Auf ihr Anliegen, sie suche einen Beruf mit hohen Karrierechancen und guten Verdienstaussichten, habe ihr der Berater geantwortet, „so etwas haben wir hier nicht“. Wunsch und Wirklichkeit klafften an vielen Stellen noch auseinander, weiß Kleindiek. Sein Ministerium habe Zeit, Geld und Infrastruktur (vor allem Kinderbetreuung), als die Punkte identifiziert, an denen am dringendsten gearbeitet werden müsse.

Um eines will sich das Ministerium allerdings nicht mehr kümmern: eine Plattform für die Vermittlung von haushaltsnahen Dienstleistungen. Noch im Mai hieß es, bis 2015 werde das Ministerium so eine Plattform - wie im Koalitionsvertrag - vorgesehen aufbauen. In der Gründerszene war das Vorhaben auf Ablehnung gestoßen, da es ja bereits private Plattformen gibt. „Ich habe das Projekt gestoppt“, sagt Kleindieck nun. So eine Plattform sei nicht Aufgabe des Ministeriums.

Zypries nimmt einen Auftrag mit

Dagegen nehmen beide Staatssekretäre an diesem Morgen einen anderen Arbeitsauftrag mit in ihre Ministerien: Selbst wenn es genügend Plätze für die Kinderbetreuung gebe, so sei es doch eine unübersichtliche, zeitfressende Angelegenheit, den passenden Kita-Platz zu finden, berichten die Frauen. Warum gibt es keine Plattform, auf die alle Anbieter ihre Angebote einstellen können, wollen sie wissen. „Darum werde ich mich kümmern“, verspricht Zypries und will davon beim nächsten Frühstück im September berichten. Dann soll es aber vor allem um das Europäische Start-up-Manifest gehen.

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