Gründerpreis : Herr Wu macht Tempo

Die Bundesregierung zeichnet junge Firmen aus der Informations- und Kommunikationstechnik aus. Im Silicon Valley sollen sie wachsen.

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Schnell nach oben. Das „Plug and Play Tech Center“ im kalifornischen Sunnyvale hilft jungen Unternehmen schneller zu wachsen.
Schnell nach oben. Das „Plug and Play Tech Center“ im kalifornischen Sunnyvale hilft jungen Unternehmen schneller zu wachsen.Foto: Plug and Play Tech Center

Berlin - „Denken Sie eine Nummer größer, werden Sie global und greifen Sie nach den Sternen“ – der Auftrag, den Canice Wu an die jungen Unternehmer im ehemaligen Kinosaal des Kosmos in Berlin erteilt, ist nicht gerade bescheiden. Kann er auch nicht sein, denn Wu ist ein Tempomacher. Sein Unternehmen, das Plug and Play Tech Center im kalifornischen Sunnyvale, hilft jungen Firmen zu wachsen – und zwar schnell zu wachsen. Accelerator, also Beschleuniger, nennen die Amerikaner solche Unternehmen. „Deutsche Gründer haben großartige Technologien, bringen gute Ingenieursleistungen, aber es gelingt ihnen zu selten, damit auch am Markt Erfolg zu haben“, meint Wu.

Das soll sich ändern, findet auch die Bundesregierung. Am Mittwoch prämierte Wirtschaftsstaatssekretär Ernst Burgbacher (FDP) auf dem Kongress „Gründen, Investieren, Wachsen“ im Kosmos drei besonders erfolgreiche Unternehmensgründungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik. Den ersten Preis als Gründung des Jahres, dotiert mit 50 000 Euro, erhielt Ondeso. Die Firma aus Regensburg entwickelt Produkte für das sichere Management von Software in Produktionsprozessen. Platz zwei (30 000 Euro) erreichte Eyefactive aus Wedel, die berührungsempfindliche Bildschirme entwickeln und bauen, bei denen mehrere Nutzer gleichzeitig an einer Anwendung arbeiten können. Ubivent aus Mannheim landete mit seiner Plattform für virtuelle Veranstaltungen auf Platz drei (20 000 Euro).

Wettbewerbe wie diese sind ein Mittel der Bundesregierung, das Gründungsgeschehen in Deutschland vor allem im IT-Bereich weiter anzukurbeln. Burgbacher verwies darauf, dass die Politik ebenso daran arbeite, die Rahmenbedingungen zu verbessern. So sei eine Schwierigkeit für Gründer hierzulande immer noch, an Kapital zu kommen. „Wir wollen stärkere Anreize setzen, um mehr private Kapitalgeber zu gewinnen“, sagte der FDP-Politiker und verwies dabei auf die angekündigte Investitionszulage für Privatleute, die Gründer finanzieren.

Auch in Sachen Beschleunigung ist die Bundesregierung unterwegs. Das Wirtschaftsministerium hat den German Silicon Valley Accelerator für die kommenden drei Jahre mit 2,5 Millionen Euro ausgestattet. Privates Kapital soll zusätzlich angeworben werden. Damit sollen pro Quartal vier ausgewählte Start-ups aus Deutschland die Chance bekommen, den US-Markt und die dortigen Wachstumschancen zu erkunden. Drei bis sechs Monate können sie in Kalifornien bleiben, werden durch Mentoren und die Firma von Wu unterstützt. „Idealerweise starten die jungen Unternehmen vom Silicon Valley aus die Globalisierung ihres Geschäftsmodells“, sagt Dirk Kanngiesser, Geschäftsführer der vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützten Förderfirma.

Wus Unternehmen hat schon viele junge Firmen begleitet, die heute groß und erfolgreich sind, unter anderem Google und Paypal. Von diesem Netzwerk sollen dann auch die deutschen Start-ups vor Ort profitieren. „Wir bringen sie mit den richtigen Leuten zusammen, vor allem mit den richtigen Geldgebern“, sagt Wu. Und Kanngiesser hat noch einen guten Tipp für kapitalsuchende Firmen: „Geben Sie sich nie mit einem Nein als Antwort zufrieden. Überarbeiten Sie Ihre Pläne und kommen wieder.“

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