Gründerpreis : Obst, Tee und eine neue Zahnbürste

Wer bei Start-up an Technologie und Internet denkt, muss etwas umdenken: Der Deutsche Gründerpreis 2009 in der Kategorie Start-up ist am Dienstagabend an die Firma True Fruits aus Bonn gegangen, die Smoothies – Getränke aus pürierten Früchten – herstellt. Als Aufsteiger des Jahres wurde dann aber doch ein Technologieunternehmen aus München geehrt.

Moritz Döbler
284814_0_237f9e97.jpg
Der Berliner FU-Professor Faltin wurde ebenfalls geehrt. -Foto: Thilo Rückeis

BerlinAußerdem würdigte die Jury den Unternehmer und Dübel-Erfinder Artur Fischer für sein Lebenswerk. Das Erfolgsgeheimnis des 89- Jährigen hört sich einfach an: Seine Mutter habe ihn gelehrt, sich nie entmutigen zu lassen. „Meine Mutter hat nie gesagt, dass etwas nicht geht, sondern mir dabei geholfen, es selbst herauszufinden.“

Das war ganz im Sinne von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der den Preis als „Gegensignal zur Krise“ lobte. Im tropisch heißen Zollernhof Unter den Linden rief er mit seiner demonstrativen Zuversicht viel Applaus hervor. „Sollte einem tatsächlich das Wasser bis zum Hals stehen, ist es außerordentlich ungesund, den Kopf hängen zu lassen“, riet er. Manches Unternehmen, das Staatshilfe fordere, lasse den konzeptionellen Tiefgang vermissen, den die Preisträger dokumentierten.

Das dürfte auch auf True Fruits zutreffen. Das Unternehmen sei der erste Smoothie-Anbieter in Deutschland gewesen und habe es geschafft, „innerhalb kürzester Zeit mit einer konsequenten Ausrichtung auf Premiumqualität und einem innovativen Marketingkonzept ein neues Produkt zu etablieren und eine Marke aufzubauen“, urteilte die Jury. Der ganzheitliche Ansatz reiche von Ernte und Transport der Früchte bis zur Abfüllung in einer Glasflasche. In der Kategorie Aufsteiger siegte Nanion Technologies aus München. Das Unternehmen produziert automatisierte Messverfahren für die Pharmabranche, deren Einsatz Zeit und Geld spart und die nach nur kurzem Vorlauf schon weltweit Anklang finden.

In den zwei Kategorien waren sechs Unternehmen nominiert – keines davon aus der Region Berlin-Brandenburg. Aber immerhin ging der Sonderpreis der Jury an ein Potsdamer Unternehmen, das der Berliner Wirtschaftsprofessor Günter Faltin gegründet hat: die Teekampagne/Projektwerkstatt, inzwischen das größte Teeversandhaus in Deutschland und der weltgrößte Darjeeling-Importeur. Es bietet nur die eine Sorte Tee in Großpackungen ohne Zwischenhändler und deswegen günstig an. Gründer Faltin, der an der Freien Universität lehrt, habe „einen gesättigten Markt aufgebrochen und gezeigt, wie man durch radikales Infragestellen bestehender Konventionen erfolgreich sein kann“, lobte die Jury.

Der Schülerpreis ging an ein Team aus Hessen, das eine elektrische Zahnbürste entwickeln möchte, die Erkrankungen an Zähnen und Zahnfleisch erkennen kann. Vergeben werden die undotierten Ehrungen von den Sparkassen, dem „Stern“, dem ZDF und Porsche. 

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben