Gründerszene in Berlin : "Berlin braucht mehr erfolgreiche Start-ups, die bleiben"

Manager diskutierten am Dienstag in Berlin, wie die Berliner Gründerszene zukunftsfähig bleiben kann - und mehr Arbeitsplätze schaffen. Der Chef der Senatskanzlei lobte die Berliner Freiräume.

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Foto: Maren Strehlau

„Eigentlich steht Berlin an einem ähnlichen Punkt wie zu Beginn der Industriellen Revolution“, sagt Benjamin Wüstenhagen, Vorstand des Managerkreises Berlin-Brandenburg der Friedrich-Ebert-Stiftung. In dem Kreis engagieren sich Führungskräfte und Unternehmer, „die sich der sozialen Demokratie verpflichtet fühlen“. An diesem Abend geht es um die Zukunft von Berlin als Innovationsstandort,


Mit der ersten Gründerzeit teilt die neue digitale Gründerzeit, dass Menschen nach Berlin kommen, um sich eine bessere Zukunft zu erarbeiten, findet Wüstenhagen. Björn Böhning (SPD), Chef der Senatskanzlei, ist da ähnlicher Meinung.

Böhning: Zwischennutzungen als Berliner Erfolgsmodell

Als größte Erfolgsgeschichte der letzten Jahre bezeichnet er die Berliner Freiräume, das Konzept der Zwischennutzung: „Die Stadt hat gesagt, wir stellen euch die Räume zur Verfügung und nehmen uns etwas zurück.“ Diese simple Idee habe genauso den Grundstein für eine wachsende Kunstszene gelegt wie für die Ansiedlung immer neuer Start-ups. Denn um neue Ideen und Talente anzuziehen, sei Risikokapital genauso wichtig wie die Berliner Clubs. Das Problem aber bei Partys wie den meisten Start-ups gleichermaßen: Sie gehen meist schnell vorbei. Und die wirklich erfolgreichen Start-ups werden oft ins Ausland verkauft, statt hier zu wachsen. Man müsse deshalb überlegen, wie man Berlin vom Kreativstandort zu einem wachstumsorientierten Standort entwickelt, wo nicht nur Ideen, sondern auch langfristigere Arbeitsplätze geschaffen werden, sagt Böhning. Dafür seien Adlershof und 60 neu geschaffene IT-Professuren ein wichtiger Schritt.

Mehr Kontakt mit Industrie und Forschung

Was man da noch machen könnte, glaubte am Dienstagabend vor allem der Gründer und Investor Christoph Räthke zu wissen: „Es ist eine Schande, wie wenig Austausch noch immer zwischen Unternehmen und Universitäten stattfindet“, sagt er. Außerdem müsse man bessere Programme entwickeln, damit Start-ups erste Kunden finden, idealerweise etabliertere Firmen. Wenn man das leisten könnte, hätte Berlin einen weiteren Standortvorteil.


Björn Böhning weist dann darauf hin, dass es ein sehr etabliertes Unternehmen in Berlin gibt, das bei seinen Kaufentscheidungen auch Innovation fördern kann: die Stadt selbst. Dass Berlin und Hamburg nun festgelegt hätten, ab 2020 nur noch Elektrobusse für den Nahverkehr anzuschaffen, sei genau solch ein Stellhebel. Denn gerade in der Entwicklung von elektrischen Mobilitätslösungen liege viel Potenzial. Dabei betonte er auch die Rolle der Urban Tech Republic, die auf dem Gelände von Tegel entstehen soll. Vielleicht hilft das ja, dass sich bald Start-ups in Berlin ansiedeln, die Elektrobusse oder Batterien erfinden. Und vielleicht produzieren sie sie diesmal ja in Berlin.

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