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Wirtschaft : Gründerszene

15.01.2012 00:00 UhrVon Stefani Hergert
Zurück an die Uni. Foto: dapdBild vergrößern
Zurück an die Uni. - Foto: dapd

Junge Unternehmer kommen heute meist von Privathochschulen. Die Unis punkten – nicht nur weil sie Vorbilder wie den Start-up-Pionier Oliver Samwer in den Hörsaal holen.

Wenn Oliver Samwer während der jährlichen Gründerkonferenz an seiner Alma Mater auftritt, ist der Saal an der privaten WHU – Otto Beisheim School of Management nahe Koblenz bis auf den letzten Platz gefüllt. Samwer hat 1999 mit seinen Brüdern das Internet-Auktionshaus Alando und später den Klingeltonanbieter Jamba erst groß und dann damit Kasse gemacht. Heute finanzieren die Brüder andere Start-ups; für viele ist Oliver Samwer ein Vorbild.

Knapp eine Stunde redet er an dem Oktobertag 2011, sagt Sätze wie: „Wir sind geboren im Goldzeitalter – oder im Schlaraffenland für Unternehmer.“ Die Botschaft an die Zuhörer ist klar: Gründet selbst! Damit hat er schon in der Vergangenheit überzeugt.

Etliche WHU-Absolventen zählen zu den Jungunternehmern der deutschen Internetszene.

Die WHU ist eine der Hochschulen mit der lebendigsten Gründerszene. Und bestätigt damit eine Regel: Wenn sich überhaupt in Deutschland Hochschulen als Ausbildungsstätten für Jungunternehmer profilieren, sind sie meist privat geführt. Den kleinen privaten Hochschulen, die serienmäßig Start-up-Gründer hervorbringen, stehen allenfalls ein paar wenige staatliche Universitäten gegenüber. Entrepreneurship, also Unternehmertum, haben WHU, Handelshochschule Leipzig (HHL) oder die EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden zum Steckenpferd erkoren: Dazu gehören Gründer-Lehrstühle, Vorlesungen, Businessplan-Seminare, Planspiele und – ganz wichtig – auch Gespräche mit Gründern. Denn sie haben erkannt: Neben inhaltlicher Kompetenz kommt es vor allem auf die Kontakte an.

Genaue Zahlen, wie viele Gründer welche Uni hervorgebracht hat, gibt es nicht. Die Onlineplattform Gründerszene.de hat aber eine einzigartige Datenbank mit 1400 Gründern in Deutschland – vor allem aus dem Internetbereich – und genauer geschaut, wo die wichtigsten Köpfe der Szene studiert haben.

Die WHU in Vallendar liegt als Hochschule bei den gelisteten Gründern vorne, mehr als 90 von ihnen haben hier studiert. An der WHU machen sich laut Schätzungen rund 15 Prozent eines Jahrgangs selbstständig. In Deutschland gründen nicht einmal zwei Prozent der Gesamtbevölkerung. Rund 50 beziehungsweise 35 Webgründer haben an der EBS und HHL studiert. Die staatlichen Universitäten in Berlin und München können absolut zwar mithalten, rund 110 Gründer machten einen Abschluss an einer der Unis in der Bundeshauptstadt, mehr als 70 in der bayerischen Metropole. Doch die Privaten haben gerade einmal ein paar Hundert bis 1000 Studenten und nicht mehrere Zehntausend wie die großen staatlichen Unis.

Unternehmerisch zu denken und zu arbeiten ist an den privaten Wirtschaftshochschulen quasi Pflicht. Kein Wunder, dass dort auch Ende der 90er-Jahre die ersten deutschen Gründerlehrstühle entstanden sind. Das heißt aber nicht, dass die Gründerausbildung an den privaten Hochschulen per se besser ist. Dass dort so viele Absolventen eine Firma aufbauen, hat einen anderen Grund. „Es ist weniger das Private, auch nicht wirklich die Qualität“, sagt Stephan Jansen, der die private Zeppelin University in Friedrichshafen leitet. Sondern vielmehr die Tatsache, dass die Hochschulen klein seien und so ein Gruppendruck entstehe.

Man kennt sich dank der Arbeit in Kleingruppen – und netzwerkt sich gegenseitig zum Erfolg. Die Gründerkonferenz an der WHU, bei der Oliver Samwer und etliche weitere Start-up-Pioniere auftreten, organisieren die Studenten selbst. So halten sie Kontakt. „Massen-Universitäten stehen vor der besonderen Herausforderung, diese Nahwelten zu schaffen“, sagt Jansen. An der WHU profitieren die Studenten noch immer von Oliver Samwer, der 1998 sein Diplom machte und heute Personal mit Hang zum Unternehmertum sucht. „Besonders richtig gute Leute werden es schaffen, und diese suchen wir, ob Praktikanten, Gründer oder Entrepreneurs in Residence“, rief er den Zuhörern auf der Konferenz zu.

Oliver Samwer lebt das Konzept, das die Uni ihm beibrachte. „Die Brüder nutzen die WHU als Rekrutierungsquelle. Sie gehen an die Uni zurück, holen Studenten als Praktikanten, die dann später selbst gründen“, sagt Investmentmanager Christian Thaler-Wolski vom Risikokapitalgeber Wellington Partners. Christian Weiß vermutet, dass 30 bis 50 WHU-ler in irgendeiner Form im Umfeld der von den Brüdern angeschobenen Startups tätig sind. Er ist selbst WHU-Absolvent, Ex-Geschäftsführer des Samwer-Gründerzentrums Rocket Internet und unterstützt heute Internetfirmen beim Aufbau.

Es sind aber nicht nur Vorbilder und Kontakte, die dazu beitragen, dass an der WHU, der HHL oder der EBS mehr Studenten gründen als anderswo, sondern auch an den Studenten selbst. "Selbstselektion" nennt Ann-Kristin Achleitner, Professorin für die Finanzierung von Unternehmensgründungen an der TU München das. Wer sich vorstellen kann, selbstständig zu sein oder aus einer Unternehmerfamilie stammt, studiert eher an einer privaten Wirtschaftshochschule. Uni-Präsident Jansen vermutet, dass es eben eher diejenigen sind, „die sich auch das Scheitern leisten können, weil die Familie sie finanziell auffangen kann“.

Neben den kleinen Privathochschulen gibt es nur wenige staatliche Universitäten, die sich regelmäßig in Gründerwettbewerben und Rankings durchsetzen: zwei Unis aus genau den beiden Städten, die auch in der Datenbank von Gründerszene.de hervorstechen: die TU Berlin und die TU München. Sie sind aus einem Grund erfolgreicher: Sie lernen von den privaten – und machen das Gründerdenken zur Chefsache.

Von einem „Bekenntnis der Hochschulleitung“, einem Dreiklang aus Forschung, Lehre und Gründertum, spricht Helmut Schönenberger, Geschäftsführer der Unternehmer TUM, dem Zentrum für Innovation und Gründung an der TU München. 40 Mitarbeiter hat das Institut mittlerweile, mehr als 1000 Studierende besuchen dort jährlich freiwillig Kurse.

Die TU Berlin hat das Thema Gründertum im Jahr 2007 neu belebt. Es gibt eine Gründungswerkstatt, Seminare zu Businessplan und Finanzierung oder Vorlesungen „Von der Idee zum Markt“. 800 Gründer und ehemalige Studenten listet die Datenbank der Uni heute, einmal im Jahr lädt sie zum Netzwerk-Abend und holt immer wieder bekannte Jungunternehmer an die Uni. Im November etwa kam Skype-Gründer Niklas Zennström. „Es geht vor allem darum, den Studenten die Unternehmensgründung als Alternative zur Konzernkarriere nahezubringen“, sagt Agnes von Matuschka, Leiterin des Gründungsservices der TU Berlin.

In einem will sich die Universität aber doch unterscheiden: „Gründungen, die Geschäftsideen nur kopieren, fördern wir nicht“, sagt Matuschka. Denn viele der deutschen Start-ups in der Internetbranche sind Kopien erfolgreicher Geschäftsmodelle aus den USA – Gründungen die verbunden sind mit der Hoffnung, die Kopie einmal für viel Geld an das Original zu verkaufen. Vor allem die Samwer-Brüder sind damit in die Kritik geraten.

An den technischen Unis aber sind es oft andere Gründer, die Beratung suchen: Der Ingenieur mit einer bahnbrechenden Idee etwa, der einen Manager sucht. „Man muss Ingenieure und Betriebswirte früher zusammenbringen“, sagt Seriengründer Uhrenbacher. Und genau darin sehen viele eine Chance: indem sich die privaten GründerUnis und die staatlichen TechnikUnis verbünden. Die TU München hat es vorgemacht: Sie kooperiert mit der privaten HHL. HB

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