Gründungsmonitor 2014 : Berliner Gründermythos

Die KfW verzeichnet wenig hauptberufliche Existenzgründungen für 2013. Die Hauptstadt ist dennoch Hochburg der Selbstständigen.

Lukas Wohner
Nicht nur als Hauptstadt, auch als Gründungszentrum könnte man Berlin bezeichnen.
Nicht nur als Hauptstadt, auch als Gründungszentrum könnte man Berlin bezeichnen.Foto: dpa

Gut 93000 Menschen mehr als im Vorjahr haben 2013 in Deutschland den Weg in die Selbstständigkeit gefunden – insgesamt 868000 Existenzgründer. Das entspricht einem Plus von zwölf Prozent. Die Zahlen gehen aus dem Gründungsmonitor 2014 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hervor, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Berlin bleibe eine der „Hochburgen des Gründergeschehens“, sagte KfW-Sprecherin Sonja Höpfner. Als Ballungsraum profitiere die Hauptstadt wie andere deutsche Stadtstaaten von kurzen Wegen und einem großen lokalen Absatzmarkt.

Schlaue Köpfe aus aller Welt

Für Leif Erichsen, Sprecher der IHK Berlin, ist es die Vernetzung von Wissenschaft und Praxis, die Berlin als Gründungsstandort attraktiv macht. „In Berlin ist der Aufwand, den mutigen Schritt einer Existenzgründung zu wagen, relativ überschaubar“, sagte Erichsen. Denn die Stadt biete schlaue Köpfe aus der Wissenschaft, einen gewissen „Drive“ und natürlich Internationalität. Zwar sei die Zahl der Gründungen bis zum dritten Quartal 2013 leicht hinter dem Vorjahr zurückgeblieben. „Das ändert aber nichts an unserem Status als Gründerhauptstadt“, sagte Erichsen. So kommen auch zwei der drei „Gründer-Champions 2013“ aus der Region: Das Berliner Start-up ng4T (heißt wirklich so) wurde von der KfW in der Kategorie „Innovation“ ausgezeichnet. Die Berliner entwickeln Mobilfunk-Messwerkzeuge, mit denen Netze auf ihre Stabilität getestet werden. Der Brandenburger Pflegedienst Johanna gewann in der Kategorie „Gesellschaftliche Verantwortung“. Der Preis ist mit jeweils 6000 Euro dotiert.

Kein Gründungsboom erwartet

Treiber der positiven Gründungsentwicklung sind laut KfW die Nebenerwerbsgründungen mit einem Anstieg von rund 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Viele Menschen wollten sich offenbar als Selbstständige etwas hinzuverdienen, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Möglicherweise sei die Selbstständigkeit im Nebenerwerb aber nur eine Station auf dem Weg in die hauptberufliche Selbstständigkeit Für 2013 hatte die KfW aufgrund der relativ guten Arbeitsmarktsituation keinen Gründungsboom erwartet. Da die Chancen auf abhängige Beschäftigung weiter gut stehen, werden selbstständige Tätigkeiten wohl auch 2014 vor allem im Nebenberuf aufgenommen werden.

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