GRÜNDUNGSMYTHOS : „Ein Kind für das Kind – zärtlich und warm“

Käthe Kruses Geschichte begann 1905 mit einer Kartoffel. Die gelernte Schauspielerin hatte damals im Alter von 22 Jahren ihr zweites Kind bekommen. Kruses dreijährige Tochter Mimerle wollte plötzlich ein Baby zum Spielen, Wickeln und Herzen. Kruses Mann, der Berliner Schauspieler Max Kruse, aber weigerte sich, Mimerle eine Puppe zu kaufen. „Nee, ick koof euch keene Puppen. Ick find se scheißlich. Wie kann man mit einem harten, kalten und steifen Dings mütterliche Gefühle erfüllen? Macht euch selber welche!“ Gesagt, getan, schreibt die Firmenlegende: Mit einem abgebrannten Streichholz malte Käthe Kruse einer Kartoffel Augen, Nase und Mund, füllte ein Handtuch mit Sand und band zwei Ärmchen ab. Diese Puppe war keine Schönheit, aber durch den Sand war sie schwer und warm, und vor allem war sie keine kleine Erwachsene, sondern ein Baby. Ein „Kind für das Kind – zärtlich und warm“, das war der Leitsatz von Käthe Kruse, der stellvertretend für die Entwicklung der Puppen nach der Jahrhundertwende steht. 1911 schließlich schuf sie die „Puppe I“, die sie in Serie produzierte. Der Aufstieg ihres Unternehmens begann mit einer Ausstellung ihrer Stoffpuppen im Warenhaus Herrmann Tietz in Berlin. Diese Aktion brachte ihr Massen von Bestellungen ein. Heute gelten ihre Traditionspuppen als wertvolle Sammlerstücke. jmi

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