Wirtschaft : Grüne fordern Siegel für strahlungsarme Handys

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SPD und Grüne wollen sich im Bundestag für die Kennzeichnung von strahlungsarmen Handys stark machen. Die Koalitionsfraktionen bereiten einen Antrag vor, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, sich für ein Handy-Label einzusetzen. Nach dem Entwurf des Antrages sollen die Mobiltelefone mit einem geringen SAR-Wert ein Gütesiegel auf der Verpackung und auf dem Gerät bekommen. Das wurde am Freitag bei einem Fachgespräch der Grünen-Bundestagsabgeordneten Ulrike Höfken und Winfried Hermann bekannt. Die spezifische Absorptionsrate (SAR) misst die Strahlungsenergie, die beim Telefonieren tatsächlich vom Körper aufgenommen wird.

Die beiden Abgeordneten diskutierten mit Verbraucherschützern, welchen Sinn ein Umwelt-Siegel für Mobiltelefone haben und wie es eingeführt werden könnte. Ein erstes Öko-Label für Handys könnte es sogar noch in diesem Jahr geben. "Die Vorbereitungen sind soweit, dass die Jury des Umweltzeichens Blauer Engel die Kriterien in ihrer November-Sitzung beschließen könnte", sagte Christina Böttcher-Tiedemann vom Umweltbundesamt bei der Tagung der Grünen-Fraktion. Wie die Regeln für den Handy-Engel aussehen sollen, ist noch offen. Außer der Strahlenbelastung könnte auch die Umweltfreundlichkeit der Akkus oder der Energieverbrauch beim Aufladen berücksichtigt werden.

Im Mittelpunkt der Diskussion um ein Handy-Label steht jedoch die spezifische Absorptionsrate (SAR). Auch wenn es keine wissenschaftliche Beweise dafür gibt, dass Handys Gesundheitsschäden verursachen - in einer Frage sind sich fast alle Experten einig: Je weniger Strahlung das Telefon abgibt, desto geringer ist auch die Gefahr für die Gesundheit. Der SAR-Wert taucht jetzt in den Bedienungsanleitungen der Handys auf und soll auch bald bei den technischen Daten der Geräte auf den Internet-Seiten der Hersteller zu finden sein.

Die Handy-Industrie und das Bundeskanzleramt führen Gespräche darüber, wie die Kunden strahlungsarme Handys einfacher erkennen können. Die Regierung möchte, dass die Hersteller sich verpflichten, besonders strahlungsarme Handys mit einem Label zu kennzeichnen. Die Hersteller lehnen das ab. Ihre Begründung: Es sei wissenschaftlich nicht nachgewiesen, dass die bestehenden Grenzwerte zu Gesundheitsgefährdungen führen. Das Gespräch mit den Grünen-Abgeordneten sagten sie "wegen der laufenden Verhandlungen" ab.

Was "besonders strahlungsarm" heißt, ist umstritten. Den deutschen Grenzwert, einen SAR-Wert von zwei Watt pro Kilogramm, müssen die Handys ohnehin einhalten. Das schwedische Gütesiegel TCO wird ab einem SAR-Wert 0,8 Watt pro Kilogramm vergeben. "Das entspricht dem Grenzwert in den USA. Hersteller wie Siemens oder Motorola verkaufen dort Millionen von Geräten", sagte Michael Karus vom Nova-Institut, das sich mit der Erforschung von Elektrosmog beschäftigt. Um den Wert auch in Deutschland einzuhalten müssten die Produzenten einige Modelle vom Markt nehmen.

Dabei geht es nicht unbedingt um ältere Modelle. "Vor vier Jahren gab es schon Handys mit deutlich geringeren SAR-Werten", sagte Michael Karus. Der Trend zu kleinen Handys habe aber dafür gesorgt, dass die Strahlung wieder gestiegen sei. "Kleine Handys haben in der Regel einen großen SAR-Wert", erklärte der Physiker. Technisch machbar seien bereits Mobiltelefone mit einem SAR-Wert von unter 0,2 Watt pro Kilogramm. Der Chefredakteur der Zeitschrift Ökotest, Jürgen Stellpflug, sagte: "Die funktionieren auch."

Darin, dass die Kennzeichnung von Handys mit geringer Strahlung Sinn macht, waren sich die Verbraucherschützer einig. Für die Ausgestaltung gibt es aber zahlreiche Vorschläge. Winfried Hermann, der stellvertretende Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag plädierte für ein Güteklassen-Modell nach dem Vorbild der Haushaltsgeräte. So steht etwa auf Kühlschränken zu welcher Energieffizienzklasse die Geräte gehören. Der Vorteil sei, dass auch die schlechteren Geräte erkennbar seien.

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