Wirtschaft : Grüne Gentechnik steht vor dem Aus

Bauern, die gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen wollen, bekommen keinen Versicherungsschutz

Heike Jahberg,Maren Peters

Berlin – In Deutschland wird es auf absehbare Zeit keinen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen geben. Am Freitag betonten die deutschen Versicherer, dass sie Landwirte nicht versicheren werden, die gentechnisch verändertes Saatgut verwenden. „Das Risiko ist nicht versicherbar“, sagte Edmund Schwake, Vorsitzender des Hauptausschusses Schaden- und Unfallversicherung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Der Grund: Das vor zwei Wochen vom Bundestag verabschiedete Gentechnik-Gesetz sieht eine strenge, verschuldensunabhängige Haftung der Bauern vor, die gentechnisch verändertes Saatgut anbauen. Wird die Ernte eines ökologisch oder konventionell wirtschaftenden Landwirts verunreinigt und lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen, wer dafür verantwortlich ist, müssen alle Gentechnik-Bauern in der näheren Umgebung für den Schaden haften. Das neue Gesetz soll im Herbst in Kraft treten. Zwar kann der Bundesrat noch Einspruch einlegen, diesen kann der Bundestag aber mehrheitlich zurückweisen.

„Jeder Landwirt wird sich zwei Mal überlegen, ob er Gentechnik anwendet“, sagt GDV-Vertreter Schwake. Nach Einschätzung des Versicherungsverbandes dürften nämlich auch ausländische Versicherer nicht an dem Geschäft interessiert sein. „Ich glaube nicht, dass internationale Unternehmen einspringen“, vermutet Stefan Richter, im GDV Geschäftsführer für den Bereich Schaden- und Unfallversicherung zuständig. „Wir können keinem Landwirt raten, gentechnisch veränderte Pflanzen anzubauen“, warnt Wolfgang Krüger vom Deutschen Bauernverband. Bislang wird in Deutschland an 29 Stellen probeweise gentechnisch manipuliertes Saatgut verwendet. Doch angesichts des drohenden Gentechnik-Gesetzes wird es nach Einschätzung Krügers bei diesem Probebetrieb bleiben. Einziger Ausweg: Die Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut müssten die Landwirte von der Haftung freistellen und selbst die Verantwortung übernehmen. Doch diese sind dazu nicht bereit.

„Wir sehen keine Möglichkeit, die Landwirte frei von Haftung zu stellen“, sagt Andreas Thierfelder, Sprecher der deutschen Tochter des US-Saatgutkonzerns Monsanto. Auch die Konkurrenz ist vorsichtig. „Die Auskreuzung von gentechnisch veränderten und konventionellen Saaten kann durch nichts verhindert werden“, sagt Georg Folttmann, Sprecher des größten deutschen Saatgutunternehmens KWS Saat. „Darum werden wir kein Risiko eingehen.“ Die Haftungsregeln seien völlig überzogen, kritisiert Folttmann. „Unter diesen Bedingungen wird niemand gentechnisch veränderte Pflanzen in Deutschland anbauen.“ Parallel würden aber immer mehr gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel in die EU importiert.

KWS hat bereits Konsequenzen gezogen – und wird nach Angaben Folttmanns gentechnisch verändertes Saatgut hier zu Lande nicht verkaufen. Das könnte bald in der gesamten EU der Fall sein. „Wir gehen davon aus, dass die deutschen Haftungsregeln möglicherweise in anderen EU-Ländern übernommen werden“, sagt der KWS-Sprecher. KWS will seine Gensaaten daher auch künftig vor allem in Nordamerika verkaufen.

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