Wirtschaft : Grüne Woche: "Das Rindersteak war noch nie so sicher wie heute"

Kann ich wieder guten Gewissens Rindfleisch essen?

Salmonellen in der Schokolade, BSE im Fleisch, Pestizide im Gemüse - vielen Verbrauchern ist die Freude am Essen vergangen. Wie gut sind unsere Lebensmittel, sind Öko-Produkte wirklich gesünder als konventionelle Waren, und warum haben alle Tiefkühlhähnchen Salmonellen - diese Fragen und zahlreiche andere wurden den Lebensmittelexperten Angelika Bläschke, Daniela Ratz-Hoffmann und Michael Welsch bei unserer Telefonaktion am Donnerstagabend gestellt. Hier eine Auswahl:

Kann ich wieder guten Gewissens Rindfleisch essen? Oder muss ich noch Angst vor BSE haben?

Kaum ein Produkt wird derzeit in Deutschland besser und gründlicher untersucht als das Rindfleisch. Dabei gehen wir deutlich weiter als andere EU-Länder. In der Europäischen Union ist der BSE-Test nur für Tiere vorgeschrieben, die älter als 30 Monate sind. Bei uns werden dagegen schon alle Rinder ab einem Alter von zwei Jahren getestet. Außerdem ist die Verarbeitung von so genanntem Risikomaterial verboten. Hirn und Rückenmark dürfen nicht mehr verwendet werden. Der Verzehr von Rindfleisch war noch nie so sicher wie heute.

Warum werden nicht auch ganz junge Tiere auf BSE untersucht?

Weil mehrere Monate vergehen, bis man die Erkrankung bei einem infizierten Tier auch nachweisen kann. Die BSE-Tests prüfen, ob so genannte Prionen vorliegen. Das ist aber noch nicht zu Beginn einer Infektion der Fall. Das heißt bei jungen Tieren schlagen die Tests nicht an.

Hat es bisher in Deutschland einen BSE-Fall bei Öko-Rindern gegeben?

Nein

Wie gefährlich ist Schaffleisch?
Es gibt bisher keine Erkenntnisse, dass man sich auch über den Verzehr von Schaf- oder Lammfleisch mit BSE infizieren kann. Vor einem halben Jahr hatte eine Studie aus England eine solche These aufgestellt und damit für große Aufregung gesorgt. Dann hatte sich herausgestellt, dass die Forscher Schaf- und Rindfleisch verwechselt hatten.

Ich esse gern Schokolade. Aber ich möchte mich nicht mit Salmonellen infizieren. Wie groß ist das Risiko?
Das Risiko, sich mit Salmonellen anzustecken, ist sehr, sehr gering. Denn die Bakterien sterben normalerweise bei 75 Grad Hitze. Bei der Herstellung von Schokolade werden aber sogar Temperaturen von 105 Grad erreicht. Die Erreger in der von Aldi verkauften Schokolade haben dennoch überlebt, weil es sich um einen besonders widerstandsfähigen Salmonellen-Typ handelte. Tröstlich ist jedoch, dass die Bakterien frühzeitig entdeckt und die betroffenen Produkte noch am gleichen Tag zurückgerufen worden sind

Salmonellen kennt man doch sonst nur von Geflügel. Was sollte man bei Hähnchen beachten?

Tatsächlich haben fast alle Tiefkühlhähnchen Salmonellen. Das liegt an der Schlachtmethode. Die Tiere werden maschinell geschlachtet, und bei der Entfernung des Darms werden die Erreger verbreitet. Wer tiefgekühltes Geflügel verarbeiten möchte, sollte daher einige Hygiene-Regeln beachten: das Fleisch immer im Kühlschrank oder in der Mikrowelle und nie bei Zimmertemperatur auftauen, sofort die Folie entfernen, das Tauwasser auffangen und weggießen, Hühnchenfleisch immer gut durchbraten oder kochen und sich nach der Berührung mit dem rohen Fleisch immer umgehend die Hände waschen.

Warum sollte man verderbliche Lebensmittel immer im Kühlschrank lagern?

Bakterien lieben Wärme und vermehren sich bei Zimmertemperatur rasend schnell.

Im Kindergarten kursiert eine Liste mit Zusatzstoffen in Lebensmitteln. Dort steht, Zitronensäure sei krebserregend. Stimmt das

Nein. Zitronensäure ist ein natürlicher Stoff und gesundheitlich unbedenklich. Allerdings gibt es häufiger solche Listen, die irreführende Informationen enthalten. Wenn Sie sich über Zusatzstoffe sachkundig machen möchten, können Sie sich an den AID (Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) oder an den Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) wenden.

Wie gut ist tief gekühltes Gemüse?

Tiefkühlgemüse ist sehr empfehlenswert und oft auch besser als die Waren, die man "frisch" im Laden kauft. Denn anders als der Lauch oder der Blumenkohl, den Sie im Geschäft angeboten bekommen, ist die Tiefkühlware sofort nach der Ernte verarbeitet und eingefroren worden. Damit ist das tief gefrorene Gemüse oft frischer als die Produkte im Laden, die nicht nur den Anreiseweg hinter sich haben, sondern auch manchmal einige Tage im Geschäft liegen.

Ich esse gerne Obst und Gemüse. Aber ist das nicht alles gespritzt?

Bei konventionellen Lebensmitteln werden Pestizide eingesetzt. Allerdings müssen die Obst- und Gemüsebauern nach dem Einsatz der Mittel eine gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit verstreichen lassen, bis sie die Früchte oder das Gemüse ernten dürfen. Halten sie sich daran, ist der Verzehr unbedenklich.

Und bei Öko-Produkten?

Im ökologischen Landbau dürfen keinerlei Pestizide verwendet werden, also weder Unkrautvernichtungsmittel noch pilztötende Präparate, und auch Insektizide sind verboten. Öko-Bauern brauchen diese Mittel auch nicht, weil sie mit einer vernünftigen Fruchtfolge auf ihren Feldern dafür sorgen, dass die Böden gesund sind. Daher können Öko-Landwirte auch auf den Einsatz von Mineraldünger verzichten.

Dürfen Öko-Bauern gar nicht düngen?
Nein. Sie dürfen ihren Böden aber Stoffe zusetzen, die der Erde aufgrund der regionalen Besonderheiten fehlen. In Berlin und Brandenburg sind die Böden zum Beispiel sehr sandhaltig, hier können Öko-Landwirte Kalk untermische

Wie werden Öko-Produkte kontrolliert?
Wenn ein Betrieb ökologische Landwirtschaft betreiben möchte, wendet er sich an eine der zugelassenen Öko-Kontrollstellen. Dort kann sich der Bauer dann informieren, welche Voraussetzungen er erfüllen muss. Ob sich der Landwirt dann tatsächlich an die Regeln hält, wird regelmäßig kontrolliert. Einmal im Jahr führt die Kontrollstelle eine ausführliche Betriebsbesichtigung durch, darüber hinaus gibt es aber auch noch unangemeldete Stichprobenkontrollen. Bei Öko-Produkten wird auch jede weitere Verarbeitungsstufe überwacht. Wenn aus dem Getreide des Öko-Bauern Müsli gemacht wird, gibt es auch für den Müsli-Produzenten eine Kontrollstelle. Die Verbraucher können also sicher sein, dass Öko-Waren bei jedem Produktionsschritt kontrolliert werden.

Wie leben Bio-Tiere?

Für Öko-Rinder, Hühner oder Schafe gelten klare Regeln: Die Tiere werden mit ökologisch angebautem Futter - möglichst vom eigenen Hof - ernährt. Sie brauchen regelmäßigen Auslauf, auch im Winter. Wenn die Tier in den kalten Monaten nicht auf der Weide stehen, muss der Bauer sie wenigstens regelmäßig auf einen Laufhof lassen. Im Stall dürfen die Rinder nur dann angebunden werden, wenn sie ansonsten tagsüber ausreichend Auslauf haben. Diese Regel endet aber im Jahr 2010, danach dürfen die Tiere im Stall gar nicht mehr angeleint werden. Außerdem sind Roste auf dem Stallboden verboten, statt dessen gibt es weiche, eingestreute Liegeflächen

Dürfen Öko-Bauern ihren Tieren Antibiotika geben?
Nur, wenn der Tierarzt sie verordnet. Und das auch höchstens zwei Mal im Jahr. Bekommt ein Rind oder ein Schaf mehr als zweimal Antibiotika, darf es nicht mehr als Öko-Fleisch verkauft werden. Allerdings stimmt dann auch bei dem Betrieb etwas nicht, denn Öko-Tiere sind durch ihre Haltung und das gesunde Futter normalerweise wenig anfällig für Krankheiten

Beim Lachs-Test der Stiftung Warentest schnitt der Öko-Lachs nicht gut ab. Wie kommt das?

Öko-Produkte enthalten keine Konservierungsmittel. Deshalb kann es sein, dass die Waren am Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht mehr so frisch und lecker sind wie zu Beginn

Warum gibt es außer geräuchertem Lachs keinen Öko-Fisch?
Für Bio-Produkte gilt die EU-Öko-Verordnung aus dem Jahr 1992. Und die enthält keine Regeln über Fische. Außerdem ist auch das Angebot sehr klein.

Ist das Angebot an ökologisch produzierten Lebensmitteln groß genug, um den Bedarf zu befriedigen?

Bei Obst und Gemüse sicherlich. Bei Fleisch ist die Situation schwieriger, weil Fleisch viel teurer zu produzieren ist.

Ich verliere langsam den Überblick. Ich kenne Demeter und Bioland, und jetzt gibt es auch noch das Bio-Siegel. Was ist denn das?

Demeter, Bioland oder Naturland sind verschiedene Warenzeichen für ökologisch produzierte Waren. Das Bio-Siegel bekommen alle Bio-Betriebe, die nach der EU-Ökoverordnung arbeiten, produzieren und sich einem Kontrollverfahren unterwerfen. Das deutsche Bio-Siegel steht deutschen und europäischen Produkten gleichermaßen offen.

Sind Öko-Waren gesünder als konventionelle Produkte?
Das kann man so pauschal nicht sagen. Ob Lebensmittel gesund sind, hängt nicht davon ab, ob sie ökologisch oder mit konventionellen Methoden angebaut worden sind, sondern davon, was drin ist, etwa vom Vitamingehalt.

Aber ich finde, dass Öko-Produkte besser schmecken.
Was lecker ist oder nicht, ist natürlich immer ein Frage des Geschmacks, und das ist eine sehr persönliche Sache. Dass ökologisch erzeugte Lebensmittel anders und nach Meinung vieler Kunden "natürlicher" schmecken, liegt daran, dass auf Bio-Höfen andere Sorten angebaut werden. Da Öko-Bauern auf den Einsatz von Pestiziden und Dünger verzichten, brauchen sie robustere Pflanzen als die konventionellen Obst- und Gemüsebauern. Außerdem werden häufiger Sorten angebaut, die nicht ganz so schnell wachsen wie die in der konventionellen Landwirtschaft.

Warum sind Öko-Lebensmittel so teuer?

Der ökologische Anbau ist aufwändiger als die herkömmliche Landwirtschaft. Die Tiere brauchen mehr Platz, und auch die Ernteerträge sind geringer, weil Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger nicht eingesetzt werden dürfen. Außerdem wird in ökologischen Betrieben vieles von Hand gemacht, was in konventionellen Betrieben von Maschinen erledigt wird. Dennoch sind die Preise für Bio-Produkte nicht überall gleich hoch. Neben den klassischen kleinen Bioläden, die oft ein recht hohes Preisniveau haben, gibt es inzwischen auch Bio-Supermärkte oder Einkaufsgemeinschaften, die Öko-Waren günstiger anbieten.

Ich habe über Weihnachten gesündigt und muss auf meinen Cholesterin-Spiegel achten. Ich mag gern Möhren mit Distelöl. Soll ich die lieber streichen?

Nein, auf Fette können Sie nicht ganz verzichten. Es gibt Vitamine, zum Beispiel Vitamin A, die sind nicht wasser- sondern nur fettlöslich. Wenn Sie sich um Ihren Cholesterin-Spiegel sorgen, sollten Sie jedoch regelmäßig zur Kontrolle gehen und Diät halten. Dabei sollten Sie auf Eier und rotes Fleisch verzichten, sinnvoll sind dagegen Fisch und weißes Fleisch.

Auf den Lebensmittel-Packungen sind immer ovale Stempel mit einer Kombination aus Zahlen und Buchstaben aufgedruckt. Was ist das eigentlich?
Bei tierischen Lebensmitteln - Fleisch, Fisch, Milch - finden Sie solche Stempel. Hinter den Nummern verbergen sich einzelne Betriebe. Sinn und Zweck der Kennzeichnung ist es, den Behörden den Rückgriff auf die betroffenen Produzenten zu ermöglichen, falls es Probleme mit der Ware gibt.

Kann es sein, dass auf der Reichelt- und der emzett-Milch derselbe Stempel steht?

Ja, das heißt dann, dass die Milch vom selben Produzenten komm

Aber die Preise sind doch ganz unterschiedlich.

Dennoch muss die billigere Milch nicht schlechter sein

In den meisten Suppen sind Geschmacksverstärker, die ich nicht mag. Wie kann ich die erkennen?

Geschmacksverstärker müssen in der Zutatenliste auf der Verpackung deutlich gekennzeichnet sein.

Ich kaufe nur noch deutsche Produkte, weil die kontrolliert werden. Importwaren traue ich nicht. Zu Recht?

Nein. Wenn Waren nach Deutschland eingeführt werden, unterliegen sie denselben Kontrollen wie heimische Produkte.

Was ist mit ausländischen Öko-Produkten, wie kann ich sicher sein, dass die Zitronen aus Italien tatsächlich Bio-Qualität haben?

Für Bio-Lebensmittel gibt es ein internationales Kontrollsystem. Auch in Italien werden die Öko-Produkte und zwar bei jedem Verarbeitungsschritt von unabhängigen Kontrollstellen überwacht. Die letzte Kontrollstelle wird dann auf der Verpackung genannt.

Warum haben die Behörden vor dem Verzehr von asiatischen Süßwaren mit Konjak gewarnt?

Bei diesen Süßigkeiten handelt es sich um kleine glibberige Klumpen, die man aus Töpfchen schlürft. Diese Klumpen können sich schnell im Hals festsetzen, und dann besteht Erstickungsgefahr. Besonders Kinder sollten daher die Finger von diesen Dingen lassen.

Sollte ich Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums in den Mülleimer werfen?

Nein. Die Aufschrift "mindestens haltbar bis" heißt nur, dass ein Produkt bis zu diesem Datum auf jeden Fall seine Qualität behält. Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten, sollten Sie sich die Waren genau ansehen. Nur wenn die Lebensmittel seltsam riechen oder schimmelig sind, gehören sie in den Mülleimer.

Was ist mit dem Verbrauchsdatum?

Bei besonders verderblichen Waren wie Hackfleisch oder Geflügel steht auf den Verpackungen ein Verbrauchsdatum. Dieses sollten Sie ernst nehmen. Nach Ablauf des Verbrauchsdatums könnte der Verzehr zu Gesundheitsgefährdungen führen.

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