Wirtschaft : Grüne Woche sieht sich als Plattform

LARS VON TÖRNE

BERLIN .Die Internationale Grüne Woche Berlin nimmt immer mehr eine zentrale Rolle als Verbindungsstelle zwischen den Agrar-Märkten Europas, Asiens, Amerikas sowie den mittel- und osteuropäischen Staaten ein.Das sagte Manfred Busche, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin GmbH, am Mittwoch auf der Eröffnungs-Pressekonferenz der 64.Grünen Woche, die an diesem Freitag in den Messehallen eröffnet wird.Es habe sich in diesem Jahr gezeigt, daß Anbieter aus aller Welt die Veranstaltung stärker als bisher als Plattform nutzen, um sich dem Publikum zu präsentieren und neue Partner zu finden.Als Beispiele nannte Busche Japan, das die Zahl seiner Aussteller verdoppelt habe, sowie Usbekistan, das in diesem Jahr zum ersten Mal in Berlin vertreten ist.

57 Länder präsentieren bis zum 31.Januar auf 115 000 Quadratmetern Bruttofläche ihre Nahrungsmittel, Agrarprodukte und Landesspezialitäten.Über 1500 Aussteller sind vertreten, etwa ein Drittel von ihnen kommen aus dem Ausland.Die Messe Berlin erwartet an den zehn Ausstellungstagen rund 450 000 Besucher, darunter etwa 100 000 Fachbesucher.Die Hallen werden für das Fachpublikum am Freitag ab 9 Uhr geöffnet, ab 13 Uhr ist die Grüne Woche für jeden geöffnet.

Das fachliche Rahmenprogramm der Agrar-Schau zeigt, daß den Ost-West-Beziehungen eine besondere Bedeutung beigemessen wird, wie Geschäftsführer Busche sagte.Ein Höhepunkt ist am Sonnabend das 6.Ost-West-Agrarforum mit Kooperationsbörse des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, der Senatswirtschaftserwaltung sowie der Messe Berlin.250 Veranstaltungen richten sich an Fachbesucher, darunter das 19.Internationale Forum Agrarpolitik des Deutschen Bauernverbandes, das Europäische Forum für den Landtourismus und die Konferenz zur Biomasse als Energieträger.

Die ideellen Träger der Grünen Woche, die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und der deutsche Bauernverband (DBV), kritisierten bei der Eröffnungspressekonferenz die europäische Agrarpolitik sowie die Wirtschaftspolitik der rot-grünen Bundesregierung.DBV-Präsident Gerd Sonnleitner forderte Landwirtschaftsminister Funke auf, die deutsche EU-Ratspräsidentschaft dafür zu nutzen, das Reformprojekt Agenda 2000 in der bisher geplanten Form zu stoppen.Die Agenda 2000 sei wettbewerbsfeindlich und beschere den deutschen Bauern Einkommensverluste von bis zu vier Mrd.DM.Der Bauernpräsident forderte die Bundesregierung auf, im Rahmen der Steuerreform die Sonderregelungen für Landwirte nicht zu streichen.Er kritisierte die Pläne für eine Ökosteuer.Die Landwirtschaft würde mit 375 Mill.DM belastet.Der BVE-Vorsitzende Peter Traumann unterstützte Sonnleitner.Angesichts des zu erwartenden Rückgangs der Lebensmittelpreise sei eine Belebung der Binnennachfrage nötig, keine Steuererhöhung.

Unterdessen wurde bekannt, daß der Versuch zur Schaffung einer einheitlichen Interessenvertretung der Landwirte in Ostdeutschland wegen unvereinbarer Positionen gescheitert ist.Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der privaten Bauernverbände Ostdeutschlands, Kurt-Henig Klamroth, erklärte, eine einheitliche Linie sei wegen der positiven Einstellung des Bauernverbandes zu den LPG-Nachfolgefirmen unmöglich.

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