Wirtschaft : Grünen-Sprecherin Radcke signalisiert Unterstützung und plädiert zugleich für Ausbildungsabgabe

Die IG Metall wird im Konflikt um die Rente mit 60 von den Grünen unterstützt. Parteisprecherin Antje Radcke sagte am Donnerstag auf dem Hamburger Kongress der Gewerkschaft: "Die Finanzierung der Rente mit 60 ist ein großes Problem, die Arbeitslosigkeit aber auch." Da die Rentenbeiträge nicht erhöht werden könnten, müsse man gemeinsam nach anderen Wegen suchen. Die Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen griff auch die Forderung der IG Metall nach einer Vermögensabgabe auf. Es sei nicht zu spät, hohe Vermögen zur Finanzierung des Sparpakets der Bundesregierung heranzuziehen und die Lasten auf alle Schultern zu verteilen, sagte sie unter großem Beifall der knapp 600 Delegierten des 19. ordentlichen Gewerkschaftstages der IG Metall.

Im Gegensatz zu Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der am Mittwoch auf dem IG-Metall-Kongress gesprochen hatte, unterstützte die Grünen-Sprecherin auch eine finanzielle Umlage der Unternehmen für die Ausbildung von Lehrlingen. Zwar sei eine Lösung der Ausbildungsproblematik auf freiwilliger Basis besser. "Unendlich lange können wir aber nicht mehr warten", betonte Radcke. Schröder hatte Forderungen von Gewerkschaftern nach einer Ausbildungsabgabe für Unternehmen, die nicht ausbilden, als "Instrumentendebatte" zurückgewiesen und dafür reichlich Pfiffe und Buhrufe kassiert.

Nach dem spektakulären Auftritt des Bundeskanzlers am Mittwoch beschäftigten sich die Delegierten am Donnerstag ausschließlich mit organisatorischen Fragen. So konnten sich nach mehr als zehnjäriger Debatte die weiblichen Mitglieder mit der Forderung nach einer Frauenquote durchsetzen: "In den Organen und Gremien der IG Metall müssen Frauen grundsätzlich mindestens entsprechend ihrem Anteil an der Mitgliedschaft vertreten sein." Mit der Übernahme der Gewerkschaft Textil-Bekleidung ist der Anteil der Frauen in der mit rund 2,7 Millionen Mitgliedern größten DGB-Gewerkschaft von 17,1 auf 19,6 Prozent gestiegen.

Zuvor hatte der Kongress ein neues Beitragssystem für Arbeitslose abgelehnt. Statt bisher drei Mark sollten künftig 0,5 Prozent des Arbeitslosengeldes gezahlt werden. Dafür kam allerdings nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit für eine Satzungsänderung zusammen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar